Tempelherr. Ihr? Mit nichts.

Nathan. Ich bin
Ein reicher Mann.

Tempelherr. Der reichre Jude war
Mir nie der beßre Jude.

Nathan. Dürft Ihr denn
Darum nicht nützen, was dem ungeachtet
Er Beßres hat? nicht seinen Reichtum nützen?

Tempelherr.
Nun gut, das will ich auch nicht ganz verreden;
Um meines Mantels willen nicht. Sobald
Der ganz und gar verschlissen; weder Stich
Noch Fetze länger halten will: komm ich
Und borge mir bei Euch zu einem neuen,
Tuch oder Geld.—Seht nicht mit eins so finster!
Noch seid Ihr sicher; noch ist's nicht so weit
Mit ihm. Ihr seht; er ist so ziemlich noch
Im Stande. Nur der eine Zipfel da
Hat einen garstigen Fleck; er ist versengt.
Und das bekam er, als ich Eure Tochter
Durchs Feuer trug.

Nathan (der nach dem Zipfel greift und ihn betrachtet).
Es ist doch sonderbar,
Daß so ein böser Fleck, daß so ein Brandmal
Dem Mann ein beßres Zeugnis redet, als
Sein eigner Mund. Ich möcht' ihn küssen gleich—
Den Flecken!—Ah, verzeiht!—Ich tat es ungern.

Tempelherr.
Was?

Nathan. Eine Träne fiel darauf.

Tempelherr. Tut nichts!
Er hat der Tropfen mehr.—(Bald aber fängt
Mich dieser Jud' an zu verwirren.)

Nathan. Wärt
Ihr wohl so gut, und schicktet Euern Mantel
Auch einmal meinem Mädchen?