Tempelherr. Was damit?
Nathan.
Auch ihren Mund an diesen Fleck zu drücken.
Denn Eure Kniee selber zu umfassen,
Wünscht sie nun wohl vergebens.
Tempelherr. Aber, Jude—
Ihr heißet Nathan?—Aber, Nathan—Ihr
Setzt Eure Worte sehr—sehr gut—sehr spitz—
Ich bin betreten—Allerdings—ich hätte…
Nathan.
Stellt und verstellt Euch, wie Ihr wollt. Ich find
Auch hier Euch aus. Ihr wart zu gut, zu bieder,
Um höflicher zu sein.—Das Mädchen, ganz
Gefühl; der weibliche Gesandte, ganz
Dienstfertigkeit; der Vater weit entfernt—
Ihr trugt für ihren guten Namen Sorge;
Floht ihre Prüfung; floht, um nicht zu siegen.
Auch dafür dank ich Euch—
Tempelherr. Ich muß gestehn,
Ihr wißt, wie Tempelherren denken sollten.
Nathan.
Nur Tempelherren? sollten bloß? und bloß
Weil es die Ordensregeln so gebieten?
Ich weiß, wie gute Menschen denken; weiß,
Daß alle Länder gute Menschen tragen.
Tempelherr.
Mit Unterschied, doch hoffentlich?
Nathan. Jawohl;
An Farb', an Kleidung, an Gestalt verschieden.
Tempelherr.
Auch hier bald mehr, bald weniger, als dort.
Nathan.
Mit diesem Unterschied ist's nicht weit her.
Der große Mann braucht überall viel Boden;
Und mehrere, zu nah gepflanzt, zerschlagen
Sich nur die Äste. Mittelgut, wie wir,
Find't sich hingegen überall in Menge.
Nur muß der eine nicht den andern mäkeln.
Nur muß der Knorr den Knuppen hübsch vertragen.
Nur muß ein Gipfelchen sich nicht vermessen,
Daß es allein der Erde nicht entschossen.