Aridäus. Lebt er noch?—So muß ich ihn wieder haben. Stirb du nur! Ich will ihn doch wieder haben! Und für dich!—Oder ich will deinem toten Körper so viel Unehre, so viel Schmach erzeigen lassen!—Ich will ihn—
Philotas. Den toten Körper!—Wenn du dich rächen willst, König, so erwecke ihn wieder!—
Aridäus. Ach!—Wo gerat' ich hin!
Philotas. Du daurest mich!—Lebe wohl, Strato! Dort, wo alle Tugendhafte Freunde, und alle Tapfere Glieder eines seligen Staates sind, im Elysium sehen wir uns wieder!—Auch wir, König, sehen uns wieder—
Aridäus. Und versöhnt!—Prinz!—
Philotas. O so empfanget meine triumphierende Seele, ihr Götter; und dein Opfer, Göttin des Friedens!
Aridäus. Höre mich, Prinz!—
Strato. Er stirbt!—Bin ich ein Verräter, König, wenn ich deinen
Feind beweine? Ich kann mich nicht halten. Ein wunderbarer Jüngling!
Aridäus. Beweine ihn nur!—Auch ich!—Komm! Ich muß meinen Sohn wieder haben! Aber rede mir nicht ein, wenn ich ihn zu teuer erkaufe!— Umsonst haben wir Ströme Bluts vergossen; umsonst Länder erobert. Da zieht er mit unserer Beute davon, der größere Sieger!—Komm! Schaffe mir meinen Sohn! Und wenn ich ihn habe, will ich nicht mehr König sein. Glaubt ihr Menschen, daß man es nicht satt wird?—(Gehen ab.)
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Philotas, von Gotthold Ephraim
Lessing.