[A] Seine merkwürdigste Handlung war, daß er 1425 die Universität zu Löwen stiftete.

[B] Zu dieser abscheulichen That bediente er sich eines Normänischen Edelmanns, Namens Raoul d’Ocquetonville, der dem Herzog aufgelauert hatte, und ihn überfiel, da er eben zu Pferd und nur von zwei Bedienten begleitet von einem Besuch von der Königin, die in den Wochen lag, zurük kam.

[C] Diese Schwachheit, oder vielmehr Wahnsinn des König Karls, rührte von folgenden Ursachen her: da ihm im Aug. 1392. als er unter Wegs nach Britannien war, entstandene Unruhen daselbst zu stillen, die Sonne sehr heiß auf das Haupt schien, bekam er den ersten Anfall von Unsinn; das Uebel vermehrte sich durch den Schrecken, dem ihm ein unbekannter, hagerer und elend verstellter Mensch verursachte, der sich ihm näherte, sein Pferd in den Zaum griff, und ihn mit den Worten anredete: Bleib zurück König, wo willst Du hin? Du bist verrathen, und gleich verschwand. Und da endlich zum Unglück ein auf dem Pferd eingeschlafener Edelknabe seine Lanze auf einen vor ihm hergetragenen Helm fallen lies, glaubte der König man wollte ihn seinen Feinden überliefern und bekam eine so heftige Wuth, daß er in eine Ohnmacht fiel und in derselben drei Tage lang liegen blieb. Hierauf hatte er sich wieder ziemlich erholet, allein, da man, um ihn zu zerstreuen, das folgende Jahr, den 29ten Jenner, einen vermumten Ball veranstaltete und ein mit Pech bestrichenes Gewand sich auf demselben entzündete, wodurch er in Gefahr zu verbrennen gesezt wurde, verfiel er auf das neue in Raserei. Hieran war die Unvorsichtigkeit des Herzogs von Orleans schuld, der mit einer brennenden Fackel einigen Personen, die als wilde Männer verkleidet waren, um sie zu erkennen, zu nahe kam.

[D] 1412. Bemächtigte er sich der Person des Königs, führte ihn vor Bourges, wo eine Anzahl Grossen des Reichs eingeschlossen waren, die zu einem Vergleich gezwungen wurden. Nach diesem verbündete sich der Herzog näher mit der Königin, und vermehrte dadurch die Zerrüttung im Reich. Denn unter dem Vorwand der königlichen Gewalt und Befehle lies er den 18ten Juni 1418. den Kanzler und mehrere Grossen des Reichs, die ihm entgegen waren, umbringen, und verübte überhaupt unerhörte und die Natur empörende Grausamkeiten in Paris. Allein das folgende Jahr erhielt er den verdienten Lohn dafür; denn Sontags den 10ten Sept. wurde er zu einer Unterredung von dem Dauphin auf die Brücke Monterrau gelockt, und daselbst durch einen alten Diener des ermordeten Herzogs von Orleans, Namens Tanegui du Chastel umgebracht.

[E] Da die Neigungen dieser beiden Frauen in vielem gleich war, so ist an deren gegenseitigen Freundschafts-Bezeugungen nicht zu zweifeln. Isabella, Karls Gemahlin, war die Tochter Herzog Stephans II. von Baiern, und diese Fürstin, die mit ihrem Bruder Ludwig dem Bärtigen, Grafen von Mottagne beständige Unruhen in Frankreich erregte, konnte man eine wahre Geissel des Staats nennen. In wie weit ihr die Gräfin von Hennegau mit ihren Intriguen gleich kam, wird der Verfolg lehren.

[F] Dieser Johann von Baiern war überhaupt ein sehr haabsüchtiger und unbarmherziger Fürst. Ob er gleich als Bischoff zu Lüttig lange Zeit regieret hatte, war er doch nie Priester. Die Lüttiger, die gerechte Beschwerden gegen ihn hatten, empörten sich, und hielten ihn in Mastricht eingeschlossen, von wo er, durch Hülfe des Herzogs von Burgund (wie schon gesagt worden) befreiet wurde. In dem 1409. mit seinen Unterthanen gehaltenen Treffen, wurden 36000 derselben getödtet, die übrigen beredete er, unter dem Versprechen einer gänzlichen Verzeihung, zum Vergleich; allein kaum hatte er die Stadt Lüttig wieder in Besiz, so lies er eine grosse Anzahl Einwohner, unter dem Vorwand, daß sie die Rädelsführer, und daher nicht unter diejenigen, die er begnadigt habe, begriffen sein, ganz unbarmherziger Weise ertränken und sonst hinrichten.

[G] Welche Ränke braucht ein verlarvter Bösewicht zu einem erniedrigendem Geschäft nicht! Zu unsern Zeiten, brauchen die, zu Ausschweifungen der Art geneigte Fürsten dergleichen Hülfe nicht: sie wissen sich selbst zu rathen; wäre es aber nöthig, so würden sie bereitwillige Höflinge zu Unterhändlern genug finden.

[H] Obgleich der Friede zwischen Heinrich von England und Karl VI. von Frankreich den 20ten Junii, 1420. zu Troyes geschlossen war; vermöge welchem Heinrich, nach Absterben König Karls, zum Nachfolger des französischen Reichs erkannt wurde, und nach der Einnahme verschiedener Oerter, die es mit dem Dauphin gehalten hatten, die beiden Könige den ersten Advents-Sonntag ihren Einzug in Paris hielten, wurde doch der Krieg nicht beendiget. Der Dauphin, unzufrieden mit dem für ihn so nachtheilig geschlossenen Frieden, der ihn von der Nachfolge im Reich ausschloß, verstärkte seinen Anhang. Hierdurch wurde Frankreich in zwei Partheien getheilet, und man sahe damals in demselben zwei Könige, zwei Königinnen, zwei Kronregenten, doppelte Kronbediente, doppelte Parlementer, kurz alles war wegen der Spaltung in diesem Reich zweifach. Die Unruhen auf einmal zu beendigen gieng Heinrich nach England, um neue Völker zu sammlen. Mit beträchtlicher Macht kam er zurück, mit dem Vorsaz dem Dauphin ein entscheidendes Treffen zu liefern; allein dieser wich ihm überall aus. Er belagerte und eroberte Dreux, während welcher Belagerung ihm ein Einsiedler soll prophezeiet haben, daß er wegen seiner Ehrsucht das Königreich Frankreich unrechtmässiger Weise an sich zu bringen, mit einer abscheulichen Krankheit, vom Himmel würde heimgesucht und bestraft werden. Er verlachte diese Weissagung. Dem sei wie ihm wolle, so wurde er doch einige Monate drauf zu Senlis krank. Sein Uebel waren Feigwarzen. (Mal de St. Fiacre) Ohne sich vor den Folgen dieser Krankheit zu fürchten, lies er sich in einer Sänfte nach Vincennes bringen, woselbst er aber am 31. Aug. des 1422. Jahrs seinen Geist im 36ten Jahr seines Alters aufgab. Kurz vor seinem Ende verordnete er seinem unmündigen Sohn Heinrich, der erst neun Monat alt war, die Herzoge Johann von Bedford und Humphrei von Glocester, (der Held in dieser Geschichte) seine beide Brüder zu Vormündern; und befahl, daß der erste in Frankreich und der andere in England Regent sein sollte.

[I] Da hier die Rede von zwei Päbsten ist, die in der damaligen grossen Kirchenspaltung zugleich gelebt und um gleiche Vorrechte gebuhlet haben; so wird es wohl hier der schicklichste Platz sein, den kurzen Lebenslauf derselben anzuführen. Der Leser wird hiernach von selbsten urtheilen, welcher von beiden den gültigsten Beruf gehabt haben mag? ein Fall der zu unsern Zeiten schwerlich mehr entstehen wird, jedoch zur Sache: Peter de la Lune, ein Spanier aus dem Königreich Aragonien, erhielt vom Pabst Gregor XI. im Jahr 1375. den Kardinalshuth; nach 1378. erfolgtem Tod dieses Pabsts, trug er nicht wenig bei, daß Clemens VII. zum Nachtheil Urbans V. der schon in Rom auf dem päbstlichen Stuhl saß, erwählet ward, wodurch die schon in der Kirche herrschende Zwietracht vermehret wurde. Oefters sprach er dennach mit verstelltem Eifer von dieser Spaltung, verwünschte alle Zwietracht und versicherte, daß wenn er an einer der Päbste Stelle wäre, würde er sich alle Mühe geben und allem entsagen, um die Gläubigen wieder unter ein Haupt zu vereinigen. Allein der Erfolg zeigte bald, daß er nur unter diesem heuchlerischen Friedenseifer hochmüthige und ehrsüchtige Absichten verbarg. Denn als Clemens 1394. zu Avignon starb, stellten die damals zur Wahl anwesenden Kardinäle, unter deren Zahl er war, eine schriftliche Versicherung aus, daß derjenige unter ihnen, den die Wahl treffen würde, wenn es das ganze Collegium für gut finden würde, der Spaltung dadurch ein Ende zu machen, dem päbstlichen Stuhl wieder freiwillig entsagen sollte. Es konnte daher nicht fehlen, daß die Wahl einstimmig auf ihn fiel, bei welcher er den Nahmen Benedickt XIII annahm. Da er aber nun seinen Entzweck erreichet hatte, wollte er von allem was er zuvor versprochen und sich anheischig gemacht hatte, nichts wissen. Der König von Frankreich, verschiedene Häupter Europens, der französische Klerus und andere mehr, gaben sich alle erdenkliche Mühe, ihn zur Erfüllung seines Versprechens, damit die Einigkeit in der Kirche dadurch wieder hergestellet würde, zu bewegen. Allein es war tauben Ohren gepredigt; sein Ehrgeiz lies es nicht zu; gab er auch einmal einige Hoffnung, so war es nur um Zeit zu gewinnen, und um desto wiedrigere Maasregeln nehmen zu können, nach welchen er endlich die nur auslachte die ihm von freiwilliger Abtretung ferner sprachen. Anfangs hielt man ihn in Avignon gefangen, er fand aber Gelegenheit 1402. von da verkleidet zu entweichen, und auf das Schloß Reinard in der Provence zu flüchten, wo er eine geringe Anzahl Völker antraf, die ihm zur Leibwache dienten. Auf dem Konzilium zu Pisa wurde er 1409. nebst Gregor XII. als Schismatiker und Eidbrüchiger, des Päbstlichen Stuhls verlustig erklärt, worauf den 26ten Juni die Kardinäle ins Conclave giengen, und Alexander V. an deren Stelle erwählten. Allein Benedickt kehrte sich hieran nicht, sondern seine Würde zu behaupten und sich neue Anhänger zu verschaffen, da die Kardinäle alle, die ihn erwählt hatten, von ihm gewichen waren, ernannte er verschiedene neue. Ob er nun gleich 1417. von der Kirchenversammlung zu Costanz in den Bann, gethan und abgesezt wurde, so gaben sich dennoch Europens Monarchen die Mühe, ihn zum freiwilligen Verzicht unter den vortheilhaftesten Bedingnissen zu bereden; allein ihre Bemühungen waren auch fruchtlos. Da er sich endlich von jedermann verlassen und verabscheuet sahe, begab er sich, nebst zwei ihm treu gebliebenen Kardinälen nach Paniscola, einer geringen Stadt im Königreich Valenzia, wo er 1424. starb. Dreisig Jahr hatte er in der Kirchenspaltung verlebt, die er auf seinem Sterbebette, so wie die Zwietracht boshafter Weise nach seinem Tode, dadurch noch weiter nähren wollte, daß er die zwei zugegen gewessenen Kardinäle zwang, an seine Stelle einen Kanonicus zu Barcellona unter dem Namen Klemens VIII. zu erwählen.

Sein Gegner Martin III. aus dem Hausse Colonna, wurde, nachdem Gregor XII. dem Päbstlichen Stuhl freiwillig entsagt hatte, und die Mitpäbste Johann XXIII. und Benedickt XIII. von der Kirchenversammlung zu Costanz abhgesezt waren: auf eben dieser Versammlung 1417. zum Pabst erwählet und daselbst gekrönet. Die versammelten Kirchenväter wollten hierdurch der ärgerlichen Spaltung, die nun schon vierzig Jahre in der Kirche gedauert hatte, ein Ende machen. Sie beschlossen daher diese Wahl nur durch die anwesenden Kardinäle, mit Zuziehung dreisig theils Prälaten theils andern Geistlichen, die aus verschiedenen Staaten auf der Versammlung waren, vorzunehmen. Sie erfolgte auf dem Rathhauß zu Costanz. In der 42ten Sitzung, so wie bei allen folgenden, hatte der neue Pabst den Vorsitz, worinnen er sich durch seine Beredsamkeit alle Mühe gab die Eintracht in der Kirche wieder herzustellen. Ein Beweiß, daß sein Vorsatz aufrichtig war, ist dieser: daß er, nach Absterben Gregors, den abgesezten Pabst Johann sehr liebreich aufnahm, und ihn zum Dechant des Kardinalkollegiums ernannte, ihm auch in solchem einen erhabenern Sitz, als der andern Kardinäle ihrer war, zum Unterscheidungszeichen anwies. Seine Bemühungen aber, Benedickt zu gewinnen, waren eben so fruchtlos, wie die der andern Mächte, wovon schon gesagt worden? nur von Alphonsus König von Aragonien war er noch unterstüzet. In der 44 Sitzung zu Constanz wurde beschlossen, eine anderweitige Versammlung für das Jahr 1423. nach Pavia zu berufen, die aber wegen der daselbst herrschenden Pest das folgende Jahr zu Sienna gehalten wurde. Dahin sandte Alphonsus einen Bevollmächtigten mit ansehnlichen Geschenken und grossen Versprechungen, um der Sache Benedikts eine andre Wendung zu verschaffen, und Martin vom päbstlichen Stuhl zu vertreiben: Allein der gleich darauf erfolgte Tod Benedikts machte diesem Zwist ein Ende; denn auf die Wahl, die Benedikt bei seinem Tode, auf Veranlassung Alphonsus, angestellt hatte, wurde keine Rüksicht genommen; auch entsagte der dabei ganz ungültig erwählte Clemens dem päbstlichen Stuhl freiwillig. Dieses bewog den Pabst Martin, daß er demselben das beträchtliche Bisthum von Majorqua übertrug. Und hierdurch hörte die während 51. Jahre in der römischen Kirche gedauerte Spaltung ganz auf, welches man den klugen Bemühungen Martins zu verdanken hatte.