[J] Was vermag eine rachsüchtige Buhlschwester nicht! und welch Unglük entstehet nicht oft in einem ganzen Lande durch das teufelische Einblasen einer Beischläferin? Doch Dank sei es unsern aufgeklärtern Zeiten! Kein Blutbad, wie damals wird mehr darauf erfolgen. Denn so kleine Geister, wie der Herzog von Brabant war, der, ausser seinem schwachen Verstand, doch gutmüthig genug gewesen sein würde, seine Gemalinn nicht weiter zu verfolgen, giebt es unter den Grossen nicht mehr. Thut ja eine Beischläferin noch einigen Schaden, so ist es nur an Einzeln und an denen, die nicht niederträchtig genug sind, zu ihrer Fahne zu schwören; der ganze Staat wird aber deswegen nicht zerrüttet.
[K] Dieser Ausdruk ist ein Wortspiel, das auf den Familien Name (de la Lune) des Pabsts Benedikts, bezug hat.
[L] Natürlicher Weise konnte sich Jacobine wenig von dieser Hülfe versprechen; denn ausserdem wie schon gesagt worden ist, der Herzog von Bedford ein leiblicher Schwager des von Burgunds war, muste jener diesen besonders schonen. Da er um seines Vaters Mord zu rächen, zur Englischen Partie getreten und die Waffen gegen sein Vaterland ergriffen hatte, war zu befürchten, daß wenn der Herzog von Bedford eifrig in ihn sezen wollte, er diese Partei verlassen, und sich zum Nachtheil Englands mit dem König von Frankreich vergleichen dürfte, wie er denn auch schon oft solches gedrohet hatte. Wäre aber dieses erfolgt, so hätte sich die Englische Partei unmöglich in Frankreich erhalten können. Da sich in der Folge mehrere Gelegenheit finden wird, von dem Herzog von Burgund zu reden, so wird es nicht undienlich sein, hier einen Biographischen Auszug von ihm zu geben. Philipp III. Herzog von Burgund &c. war ein Sohn des zu Paris ermordeten Herzogs Johann von Burgund, wie anderwärts schon gesagt worden. Er ward 1396. Zu Dijon gebohren. Seines Vaters Tod zu rächen ergrif er 1420. die Waffen gegen sein Vaterland, und schlug sich zur Englischen Partei. Hierdurch wurde er sehr mächtig; und da er nirgends Wiederstand fand, verbreitete er zu Ende der Regierung Carls VI. und Anfangs der von Carl VII. in Frankreich überall Furcht, Schreken und Verwüstung. 1421. lieferte er die berühmte Schlacht bei Mons in der Picardie, in welcher er den Dauphin aufs Haupt schlug, und dadurch das Elend im Vaterland vermehrte. Endlich verlies er 1435. die Englische Partei, und gieng mit dem König von Frankreich einen Vergleich ein, welches er auch mit dem Herzog von Orleans that. Dem ohnerachtet behielt er gegen Carl VII. beständig heimlichen Haß, welchen er dadurch bewies, daß er seinem Sohn dem Dauphin, nachmalig König Ludwig XI. Zuflucht in seinen Staaten verstattete. Er war es der den 19. Jenner 1430. den Orden des güldenen Vließes stiftete, der verschiedene andere milde Stiftungen errichtet, und fast die siebenzehen Provinzen der Niederlande vereiniget hatte. Er starb zu Brügge den 15. Julii 1467. und hinterlies von drei Gemalinnen, die er gehabt hatte, nur einen Prinzen, Carl den Verwegenen, der ihm in der Regierung seiner Staaten folgte, dagegen aber fünfzehen natürliche Kinder, die er von verschiedenen Beischläferinnen erzeugt hatte.
[M] In der Familie der Grafen von Brederode hat es von jeher nicht an berühmten Männern gefehlet, unter welchen aber folgende die merkwürdigsten sind. Heinrich von Brederode war ein Haupt der Protestantischen Verschwöhrung in den Niederlanden. 1567. überreichte er der damaligen Gouvernantin Margaretha von Parma verschiedene Denk- und Bittschriften, in welchen er, als aus dem Hauße der Grafen von Brabant entsproßen, sein Recht gegen das Hauß Burgund, das diese Grafschaft in Besiz hatte, suchte geltend zu machen. Da sich aber bald hernach die Umstände änderten, gieng er mit seiner ganzen Famille, und allem was er nur fortbringen konnte, zu Wasser nach Embden, und von da aus nach Deutschland, wo er bald darauf vor Verdruß starb. Seine Wittwe die eine Gräfin von Meurs, und eine der herzhaftesten Frauen damaliger Zeit war, vermählte sich nachher mit dem Churfürsten von der Pfalz. Lancelot von Brederode aber, gleichfals ein Haupt der Verschwornen, wurde 1573 nach der Einnahme von Harlem, davon er Kommandant war, und sich muthig vertheidigt hatte, nebst den öbersten Offiziers der Besazung, auf Befehl des Herzogs von Alba enthauptet.
[N] Nicht allein diese Furcht, sondern noch ein ganz anderer Beweggrund veranlaßten den Herzog von Burgund, seine Rache aufzuschieben. Der Englander Angelegenheiten in Frankreich, mit denen er in Bündniß stand, fiengen an für ihn nachtheilig zu werden. Es war 1429 da die berüchtigte Jeanne d’Arc, oder das Mädchen von Orleans, deren Geschichte, ob gleich schon viel darüber geschrieben worden, jezt noch ziemlich problematisch ist, zu Frankreichs Rettung auf den Schauplaz trat. Die Engländer fiengen an, Mißtrauen in den Herzog von Burgund zu sezen. Trennten sich nun die Engländer ganz von ihm, so muste er befürchten, daß Jacobine als Gräfin von Holland und Zeeland Hülfe von ihnen erhalten dürfte. Merkwürdig ist es indeßen, daß Jacobine die Befreiung ihres Gemals gewißer maßen obiger französischen Heldin verdanken konnte.
[O] Es war dem Herzog von Burgund um so viel mehr an Vollziehung des Vergleichs gelegen, weil eben der lezte Herzog von Brabant, Philipp Graf von S. Paul, Jacobinens Schwager ohne rechtmäßige Leibeserben mit Tode abgegangen war, und er sich also auch den gewißen Besiz des Herzogthums Brabant zusichern wollte.
[P] Der Herzog von Burgund hatte nun seinen Endzwek erreichet, und durch Jacobinens Verzicht, die dem Hauße Baiern in den Niederlanden noch zugehörigen Länder, an sich gebracht. Da er bei seinem Tod nur einen Sohn, — wie schon gesagt worden ist — Carl den verwegenen hinterließ, und dieser, der 1477. vor Nanzig blieb, keine männliche Erben, sondern nur eine Prinzeßin Maria, die an den Erzherzog von Oestreich, nachherigen Kaiser Maximilian, vermälet war, hinterlaßen hatte, brachte diese die reiche Erbschaft ihres Vaters dem Hauße Oestreich zu, das denn würklich noch gegenwärtig einen beträchtlichen Theil davon, wie bekannt ist, besizt.