Die Katholiken haben dermalen nur einen Wärter, der zugleich Schullehrer ist, und der katholischen Bevölkerung die paar italienischen Worte vorsagt, womit sie die Reisenden zu begrüßen pflegt. Doch fand ich einige maronitische Priester vom Libanon dort, welche einstweilen Seelsorge üben, stille Leute, höchst ruhigen Ausdruckes, ernst und einfach. Mit diesen nahm ich gemeinschaftlich das Mahl. Es war mir als säße ich mit Abraham zu Tische. —
Kloster und Kirche sind von der h. Helena erbaut und von christlichen Fürsten erneuert worden. Aber schon in der ersten Zeit hatten die Gläubigen ein Gebethaus über der Krippe des Heilandes. Hadrian stellte eine Statue des Adonis dort auf. Die heil. Helena warf diese nieder. Von der Terrasse des Klosters blickt man weit über stilles, felsiges, in Schluchten und auf Abhängen mit lebendigem Grün bedecktes Land. Wir hatten das Kloster
| St. Elias in | N. 10° O. |
| Bethlehem in | W. |
| Arabisches Gebirge von | NO. bis SSO. |
| den Weg nach dem Kloster Saba | O. bis N. |
| die Grotte der Hirten | S. 75° O. |
| die Grotte der heil. Jungfrau | S. 32° O. |
Lukas erwähnt der Grotte der Hirten (II. 8). Ich weiß nicht ob es eine und dieselbe mit der Höhle Adullam ist, die in den Kriegen Davids bekannt wurde. (II. Sam. XXIII.)
Ich kaufte in Bethlehem eine Zahl Heiligenbilder, Madonnen und Kreuze aus Holz oder Perlenmutter geschnitzt, oder mit solchen eingelegt, mit Mühe und Fleiß, aber ohne alle Kunstübung gemacht von den Bewohnern der Stadt; auch ein paar schöne Trinkschalen von den Arabern aus Wadi Musa, aus Stein des todten Meeres geschnitzt und mit Sprüchen des Korans versehen.
Am Engwege im Norden von Bethlehem wies man mir die Stelle, wo das Haus Davids gestanden haben soll (Sam. XVI. XVII. XX.). Von dort ritt ich zum Grabe Rachels und dann westwärts nach Bethsafafa (1/2 St.). Tausend Schritte vor diesem Orte sieht man eine tiefe Cisterne, zur Linken aber, auf einer Höhe, Schörafat. In der Ebene steht eine riesige Terebynthe, darunter die heil. Jungfrau auf ihrer Flucht nach Ägypten geruht haben soll. Auf den jenseitigen Höhen reitet man durch Rosengärten (wozu hier der Grund förmlich bereitet und bebaut wird, denn Rosenwasser und Rosenöhl sind Erwerbzeuge), durch Wein und Öhlpflanzungen und über einige Felder hinauf zum Dorfe Mälha (1/2 St.), das gleich den beiden erstgenannten nur von Muselmännern bewohnt ist; dann auf der Höhe fort, drei Tumuli zur Linken lassend, und hinab durch Terebynthen und Reben ins Dorf St. Johann (3/4. St.), das reizend liegt von wohlbebauten Hügeln umbreitet. Das Kloster daselbst wird von vierzehn spanischen Mönchen bewohnt, und ist das schönste katholische im heiligen Lande. Die Kirche, ganz mit Marmor ausgelegt, hat innen sieben und dreißig Schritte Länge, vier und zwanzig Breite, vier Pfeiler und Kreuzform. Durch ein vergoldetes Gitter steigt man zur Linken in die Grotte der Geburt Johannis hinab, mit weißem und schwarzem Marmor ausgetäfelt, mit Seidenstoffen und Goldfransen behangen. Im Hintergrunde ist die Nische, wo ein Stern aus weißem Marmor die Stelle umschließt: hic praecursor Domini natus est. Fünf Basreliefs in weißem Marmor decken die Wände dieser Nische. Das erste stellt die Heimsuchuug, das andere die Niederkunft, das dritte die Predigt in der Wüste, das vierte die Taufe Christi, das fünfte die Enthauptung vor. Die Arbeit daran ist mittelmäßig und geziert. In der schwarzen Marmordecke darüber ist ein Lamm aus weißem Marmor eingefügt, und darüber lieset man die Worte: Ecce agnus Dei. Über der Nische ist ein reicher Altar mit dem Bilde des Täufers. Die Kirche selbst hat sieben Altäre, eine Orgel, mehrere Gemälde von Werth, darunter einen Johannes in der Wüste, von Murillo, und eine schöne Heimsuchung in der Kapelle zur Rechten. Dort zeigt man auch einen Stein, worauf Johannes in der Wüste öfters gesessen haben soll.
Von der Höhe des Klosters fand ich
| Cassr | N. 25° W. |
| Colonia | N. 10° O. |
| Johannis Grotte in der Wüste | W. |
| das Haus der Heimsuchung | S. 60° W. |
| den Berg der Makkabäer | NO. |
| die Straße nach Bethlehem | OSO. |
| den Berg Obed-Edoms[B] | O. |
Das Thal von St. Johann nach Colonia ist breit und baumreich. Es wird für das Terebynthenthal gehalten, worin David den Goliath erschlug. — Der Weg nach der Wüste des heil. Johannes führt zunächst am Hause der Heimsuchung vorüber, d. i. an den Ruinen eines Klosters, auf der Stelle erbaut, wo die Mutter des Vorläufers Christi gewohnt haben soll. In einer Grotte daran soll die heil. Jungfrau dieselbe begrüßet und die schönen Worte gesprochen haben, die Lukas im ersten Kapitel aufführt. Von dort nach der Wüste ist nicht über eine Stunde Weges. Das Wort Wüste ist unrichtig von der Öde gebraucht, in welche man tritt, und wo abermals eine Grotte zwischen Felsen und Bergen, verehrt wird als der Ort, wo Johannes gewohnt und geprediget hatte.