Das Wasser des Jordans ist leicht und angenehm. Ich sah viele Fische darin. Die Ufer sind dicht mit Rosenlorbeern und Bäumen besetzt. Nachdem ich mich gebadet und eine Flasche aus dem Flusse und eine aus dem See gefüllt hatte, ritt ich nach Nazareth zurück.

Der arabische Name des Jordan ist Scheriet-el-Kebir; der des Berges Thabor: Dschäbel Tor; der der Ebene Esdrelen: Merdji Ibn Aamer.

Am Morgen meiner Rückreise nach Akka war ich noch werkthätiger Zeuge eines christlichen Geschäftes zu Nazareth. Der Pater Vitus Filkuka bat mich, der Bekehrung eines Juden beizuwohnen. Es war ein armer Schneiderjunge aus Baireuth, weiß Gott wie nach dem Orient gerathen, und ihm von der Gemeinde zu Kairo zu diesem wohlthätigen Zwecke zugesendet. Die Abschwörung der Ketzerei und Aufnahme in den Schooß der christlichen Kirche geschah feierlich vor dem Hochaltare, wobei mein Landsmann eine deutsche Predigt hielt, die außer dem Aufzunehmenden und mir Niemand verstand, aber alle mit Erbauung anhörten. Ich hielt dem Jungen eine andere in derselben Sprache, wobei er in Thränen zerfloß, und das ganze Auditorium gerührt wurde.

Von Nazareth nach Kaipha führt der Weg über die Einsattlung im Norden des Städtchens und jenseits in ein reichbewässertes Thal, durch das ein Bach fließt, der ein Paar Mühlen treibt (1-1/2 St.). Dann reitet man über waldige Hügel. Von der Stelle, wo man die Bai von S. Jean d'Acre zuerst erblickt, liegt das Kirchlein auf der Höhe von Nazareth 43° südöstlich; S. Jean d'Acre 30° nordwestlich; das Vorgebirge des Karmel 75° nordwestlich; die höchste Spitze der Gebirge von Samaria südlich.

Am Ausgange der Waldhügel findet man das christliche Dorf Schfamer (2 St.), groß und mit einem Schlosse versehen, mit tiefen und guten Brunnen und vielen in Felsen gehauenen Getreidemagazinen. Durch ein baumreiches Thal steigt man in die Ebene nieder, erreicht die breiten Dünen des Gestades (2 St.), geht über den Kischon und folgt der See bis Kaipha (1-1/2 St.). Vor unseren Augen schoß ein Soldat des Pascha in der Ebene eine Gazelle; auch viele Hasen trieben wir auf. In Kaipha feierten die Bewohner eben die Bestätigung Abdallah's in den Paschaliken von Akka, Seida und Tripolis, eine Förmlichkeit, die alle Jahre Statt hat. Der Sultan ist nur dem Namen nach Herr in diesem Lande. Auf der Rhede von Kaipha lag mein Schiff; ich betrat es mit freudigem Gefühle, als wäre es ein Stück meiner Heimath.

Vorbereitet durch diese Reise und Carafago mit mir führend, ruderte ich am Morgen darauf in einem Boote des Veloce nach S. Jean d'Acre, das ich nach anderthalb Stunden erreichte. Man machte an dem Thore Anstand uns einzulassen, und wir mußten über eine Stunde auf die Erlaubniß hiezu warten. Man bewirthete uns jedoch einstweilen mit Kaffeh und Pfeife. Endlich wurde uns zugestanden, in des Konsuls Haus zu gehen. Von dort aus ließ ich dem Pascha wissen: ich wäre gekommen, um ihn zu sprechen. Er, auf einem seiner Landhäuser eine halbe Stunde im Norden der Stadt befindlich, wies mich an seinen Kiaja. Da ich über diesen Vortheilhaftes hörte, so ging ich zu ihm, und fand einen jungen schönen Mann, aus dem Kaukasus geboren, und Freund des Pascha. Es gelang mir, ihn zu bestimmen, an den Pascha zu schreiben, um diesen über die Besorgnisse der Eitelkeit zu beruhigen, die mir die Seele seines Widerstandes zu seyn schienen. Dieser Schritt führte zum Ziele. Während der Nacht, die ich im Konsulate zubrachte, erschien ein Offizier des Pascha mit der Botschaft: Abdallah sey, um mich zu sehen, in die Stadt zurückgekehrt und erwarte mich in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang. Viele Offiziere kamen mich abzuholen. Ich fand längs der Straße des Pallastes die Soldaten in Reihe gestellt, und eben so im Pallaste selbst den ganzen Schwarm der Hausbedienten bis an die Thüre des Saales, in welchem der Empfang Statt haben sollte. Ich erwartete einen finsteren Mann zu sehen, aus dessen Augen die Flecken des Blutes nicht wegzutilgen wären, die er von Händen und Kleidern waschen konnte. Ich fand auf dem Divan sitzend in einer der Ecken dieses heiteren, sonnenhellen Gemaches, durch dessen Fenster See und Land in weiter Verbreitung sich zeigten, einen freundlichen Mann, nicht über drei und dreißig Jahr alt, etwas von Blattern bezeichnet, in einfachem, doch höchst reichem Kleide, einen Barbareskenmantel um sich, vorne durch diamantene Schließen gehalten, einen herrlichen Handschar im Gürtel von Diamanten strotzend, Blumen aus Schooß und Divan. So wie ich mich gesetzt hatte, reichte er mir einen Rosenstrauß. Er sprach mit Milde, Glanz und Feinheit über die Weltangelegenheiten, über die europäischen Fürsten, über den Sultan. Nach und nach leitete ich das Gespräch aus Catafago, und gewann ihn so sehr, daß er das Geschehene beklagte, die genommene Geldsumme zurückstellte, die Wiedereinsetzung des Konsulats und die feierliche Erhöhung der Flagge für den nächsten Morgen versprach und in alle übrigen Forderungen einging, die ich ihm unter dem Kleide von Wünschen vorbrachte. So sehr hängt im Orient jedes Geschäft an der Form, und auch das schwierigste gelingt, wenn diese nicht verletzt wird. Das Mißtrauen in die Europäer ist zu groß, als daß diese durch schriftliche Unterhandlung leicht zum Ziele kommen; aber im mündlichen Zusammenseyn, in Beobachtung der landesüblichen Ruhe, Heiterkeit und Schonung ist mit Niemanden leichter ein Geschäft glücklich zu Ende zu bringen, als mit dem Morgenländer, da, mit sehr seltener Ausnahme, die Grundlage seines Charakters die Wahrhaftigkeit ist.

Kaum waren wir zurück im Konsulate, so kam die Musik des Pascha; dann zu Besuch und Glückwunsch für Catafago nach und nach die ganze Stadt. Der Greis weinte vor Freuden, und Boten eilten nach Nazareth, um seine Familie für den nächsten Morgen auf die Spitzen des Gebirges zu bescheiden, damit sie am Kanonendonner sich ergetzen könnte.

Ich besah die Stadt. Sie ist ein Viereck von nicht viel über 500 Schritte Grundlinie, auf zwei Seiten von der See bespült. Die Mauern waren zur Zeit Buonapartes einfach; jetzt ist auf den Landseiten eine zweite Mauer vorgelegt. Das Landthor geht durch die Ostseite nahe am Gestade. Diese Seite hat drei, die Nordseite vier bastionirte Thürme. Die Courtinen an jener sind für drei, an dieser für vier Geschütze eingerichtet. Der Graben ist breit und tief. Die Festung ist mehr als irgend eine der levantischen Küste in Ordnung. Abdallah baute hinter der Mitte der Nordseite einen hohen, festen Thurm, welcher die Citadelle bildet. Fast alle Gebäude im Innern der Stadt sind von hohen Mauern eingeschlossen, was den Sturm auf dieselbe ungemein schwierig und gefährlich machen muß.

Außen, nach Nord und Ost, ist Wellengrund und Ebene. Einige Landhäuser beleben dieselbe, und im Nord gewährt eine Wasserleitung, mit vielen Bogen von einem Hügel zum andern gezogen, einen malerischen Anblick. Suterazi, d. i. Wasserhebpfeiler, bringen das Wasser nach der Stadt. Im Osten sieht man viele Grundfesten und sonstige Spuren des alten Ptolemais; im Inneren viele Granit- und Marmorschäfte, aus Cäsarea und Askalon herbeigebracht. Jene dehnen sich auf eine halbe Stunde längs dem Gestade und bis an die Mündung des Belus aus, dieses in der alten Zeit so geschätzten Flüßchens, wo das erste Glas erzeugt worden war. — Die Türken erstürmten Ptolemais, nach langer Belagerung, am 19. Mai 1291, und zerstörten die Stadt vom Grunde aus. Ein mächtiges Kaufhaus, eine ansehnliche Moschee und viele starke Privatgebäude scheinen zum Theil noch aus jener Zeit herüber zu leben; so auch die Ruinen der einstigen Kathedrale zum heil. Andreas, das Kloster der Hospitaliter, der Pallast des Großmeisters und die Reste eines Nonnenklosters, von welchem die Sage geht, daß, am Tage der Erstürmung der Stadt die frommen Frauen durch einmüthigen Entschluß sich die Nase abschnitten und das Gesicht verwundeten, um durch diese Entstellung die Gier der Sieger zurückzuschrecken. Dieß war ihnen auch gelungen, und sie fanden nur den Tod unter den Säbeln der Feinde.

Das Wasserthor geht nach dem Hafen, der klein, eng und ganz offen ist. Kriegsschiffe können nur auf der Rhede ankern. Auch diese ist sehr gefährlich wegen der Gewalt der Westwinde, welche die täglichen und das Heil des Landes sind. Die Hafenmauer ist eingestürzt, so daß das Schloß an der Spitze derselben nun abgesondert steht.