„Dolly!“ begann er mit leiser, weicher Stimme. Er zog den Kopf in die Schultern und wollte sich einen kläglichen und devoten Ausdruck geben, strahlte aber dabei in Frische und Gesundheit. Mit schnellem Blick maß sie vom Kopf bis zu den Füßen seine von Jugendkraft und Gesundheit strotzende Erscheinung. „Ja, er ist glücklich und zufrieden,“ dachte sie, „und ich? Seine widerliche Gutherzigkeit, um die ihn jedermann so liebt und verehrt, ich hasse sie.“ Ihr Mund preßte sich zusammen, der Wangenmuskel auf der rechten Seite ihres bleichen nervösen Gesichts bebte.

„Was wünscht Ihr?“ frug sie mit fliegendem unnatürlichem Brusttone.

„Dolly!“ wiederholte er mit zitternder Stimme, „Anna wird heute hier ankommen.“

„Und was hat das für mich zu sagen? Ich kann sie nicht empfangen!“ rief sie aus.

„Aber du mußt doch, Dolly!“

„Geht, geht, geht!“ rief sie ohne ihn anzublicken, und als sei ihr dieser Schrei von einem körperlichen Schmerz entlockt.

Stefan Arkadjewitsch konnte wohl ruhig sein, wenn er seines Weibes dachte, er konnte hoffen, daß sich „alles noch machen werde“ nach dem Ausdrucke Matweys und ruhig seine Zeitung lesen und seinen Kaffee nehmen; als er aber ihr abgemagertes, leidendes Antlitz gewahrte, diesen Ton ihrer Stimme vernahm, der in das Schicksal ergeben und hoffnungslos klang, da stockte ihm der Atem, es schnürte ihm ein Etwas die Kehle zu, und seine Augen funkelten in Thränen.

„Mein Gott, was habe ich gethan! Dolly! Um Gottes Willen — Weißt du“ — er war außer stande, fortzufahren, ein Schluchzen saß ihm in der Kehle.

Sie klappte die Chiffonniere zu und blickte ihn an.

„Dolly, was soll ich sagen! Nur eines kann ich sagen: Vergieb! Erinnere dich, sollten neun Jahre des Lebens, Minuten nicht wieder erkaufen können, eine einzige Minute!“