Geraume Zeit heftete sie ihren Blick auf ihn, ohne ein Wort zu sprechen; obwohl sie im Schatten stand, sah sie — oder es schien ihr doch so — den Ausdruck seines Gesichts und seiner Augen.

Es war wieder jener Ausdruck der achtungsvollen Freude, welcher gestern so stark auf sie eingewirkt hatte.

Mehr als einmal in den vergangenen Tagen hatte sie sich selbst gesagt, und soeben jetzt that sie es auch, daß Wronskiy für sie nur einer von jenen hunderten sich ewig gleichbleibender, überall begegnender junger Männer sei; daß sie sich nie und nimmermehr gestatten dürfe, seiner auch nur zu gedenken; jetzt aber, im ersten Moment ihrer Begegnung mit ihm übermannte sie das Gefühl eines freudigen Stolzes.

Sie brauchte nicht zu fragen, warum er hier sei. Sie wußte es so genau, als ob er ihr gesagt hätte er sei hier, weil er dort sein wolle, wo sie sei.

„Ich wußte nicht, daß Ihr reistet. Weshalb fahrt Ihr schon?“ frug sie, die Hand sinken lassend, mit welcher sie sich bereits am Geländer hielt.

Eine unbezwingbare Freude und Erregtheit glänzte auf ihren Zügen.

„Weshalb ich fahre?“ wiederholte er, ihr offen ins Auge blickend. „Ihr wißt, ich fahre deshalb, um dort zu sein, wo Ihr seid,“ antwortete er; — „ich kann nicht anders.“

Im selben Augenblick fegte der Sturm den Schnee von den Decken der Waggons herunter, als habe er Hindernisse besiegt, er spielte mit einem abgebrochenen Stück Eisenblech und vorn erklang die dumpfe Pfeife der Lokomotive.

Der ganze Schrecken des Schneesturms erschien ihr jetzt noch schöner. Er sagte das Nämliche, was ihre Seele wünschte und was ihr Verstand fürchtete.

Sie antwortete nichts, aber auf ihrem Gesicht bemerkte er einen Kampf.