„Verzeiht mir, wenn Euch das unangenehm ist, was ich soeben sagte,“ hub er in höflichem Tone an.

Er sprach ehrerbietig, achtungsvoll, aber so fest und entschieden, daß sie lange Zeit nichts antworten konnte.

„Das ist böse, was Ihr da sagt, und ich bitte Euch, wenn Ihr ein guter Mensch seid, zu vergessen was Ihr gesprochen habt — ebenso, wie auch ich Euch vergessen will,“ versetzte sie endlich.

„Nicht ein Wort von Euch, nicht eine Bewegung von Euch werde ich je vergessen — noch könnte ich es“ —

„Genug, genug!“ rief sie aus, mit Mühe versuchend, ihrem Gesicht einen strengen Ausdruck verleihend, den er begehrlich musterte.

Mit der Hand nach der kalten Eisenstange greifend, stieg sie die Stufen hinauf und trat schnell in den Vorraum des Waggons. In diesem blieb sie stehen und überlegte bei sich, was soeben geschehen war.

Ohne sich ihrer oder seiner Worte zu entsinnen, erkannte sie nach ihrem Gefühl, daß dieses minutenlange Gespräch sie beide in furchtbarer Weise genähert hatte. Sie erschrak hierüber — und war beglückt davon. —

Nachdem sie einige Sekunden gestanden hatte, betrat sie ihr Coupé und setzte sich wieder auf ihren Platz.

Der Zustand von Spannung, der sie vorher gequält hatte, begann sich nicht nur von neuem einzustellen, er verstärkte sich auch noch und stieg bis zu einem Grade, daß sie fürchtete, es könne jeden Augenblick etwas in ihr, was allzusehr gespannt war, gesprengt werden.

Sie schlief die ganze Nacht hindurch nicht, aber in jenem Zustande der Spannung und Phantasieen, der ihr Vorstellungsvermögen erfüllte, war gleichwohl nichts Unangenehmes und Düsteres. Im Gegenteil; es lag etwas Freudiges darin, etwas Glühendes und Aufregendes.