Kity blieb stumm; ihr Gesicht hatte einen Ausdruck von Strenge.

„Er ist nicht so viel wert, daß du um ihn trauern dürftest“ — fuhr Dolly fort, geradenwegs auf ihren Zweck zusteuernd.

„Ja, weil er mich verschmäht hat,“ sprach Kity mit bebender Stimme. „Sprich mir nicht mehr davon, ich bitte dich, sprich nicht mehr davon.“

„Aber wer hat dir das gesagt? Kein Mensch hat davon gesprochen. Ich bin überzeugt, daß er in dich verliebt gewesen ist und noch verliebt ist, aber“ —

„Ach; am Entsetzlichsten von allem ist mir dieses Mitleid,“ rief Kity, plötzlich in Zorn geratend. Sie wandte sich seitwärts auf dem Stuhle, errötete und bewegte nervös die Finger, bald mit der einen, bald mit der anderen Hand die Schnalle des Gürtels pressend, den sie trug.

Dolly kannte diese Eigenschaft ihrer Schwester, mit den Händen in den Gürtel zu greifen, wenn der Zorn in ihr aufwallte, sie wußte, daß Kity imstande war, während einer augenblicklichen Wallung sich zu vergessen und vieles Überflüssige und Unangenehme herauszupoltern, und Dolly wollte sie doch beruhigen. Allein es war dazu schon zu spät.

„Was; was willst du mir zu fühlen geben, was?“ rief Kity heftig. „Etwa dies, daß ich einen Menschen geliebt habe, der mich nicht kennen wollte, und das, daß ich vor Liebe zu ihm sterbe? Und dies kann mir eine Schwester sagen, welche glaubt daß sie — daß sie — mich bemitleiden soll? Ich will nichts wissen von diesem Beileid, diesen Heucheleien!“

„Kity, du bist ungerecht!“

„Weshalb quälst du mich!“