„Nein, ohne Scherz, ich glaube, daß man, um die Liebe zu erkennen, sich erst in ihr täuschen muß um sich dann zu bessern,“ sagte die Fürstin Bezzy.
„Auch noch nach der Heirat?“ frug scherzend die Frau des Gesandten.
„Man kann nie zu spät Reue empfinden,“ sagte der Diplomat in einem englischen Sprichwort.
„Das ist es eben,“ rief Bezzy, „man muß sich bessern, wenn man geirrt hat. Wie denkt Ihr darüber?“ wandte sie sich an Anna, die mit kaum bemerkbarem, kaltem Lächeln auf den Lippen, dem Gespräch schweigend zugehört hatte.
„Ich denke,“ antwortete Anna, mit dem abgestreiften Handschuh spielend, „ich denke wie viel Köpfe, so viel Sinne und ebenfalls, wie viel Herzen so viel Arten von Liebe.“
Wronskiy hatte Anna angeblickt und in höchster Spannung erwartet, was sie sagen würde. Jetzt seufzte er auf wie nach einer überstandenen Gefahr, als sie diese Worte gesprochen hatte.
Anna wandte sich plötzlich an ihn.
„Ich habe ein Schreiben von Moskau erhalten. Man schreibt mir, daß Kity Schtscherbazkaja sehr krank ist.“
„Sollte es möglich sein?“ antwortete Wronskiy finster werdend.