„Ja, ich wollte Euch sagen,“ fuhr sie fort, ohne ihn anzusehen, „daß Ihr schlecht gehandelt habt, schlecht, sehr schlecht.“

„Weiß ich etwa nicht selbst, daß ich unrecht gethan habe? Aber wer war die Ursache, daß ich so handelte?“

„Weshalb sagt Ihr mir dies?“ frug sie ihn streng anblickend.

„Ihr wißt es, weshalb,“ versetzte er kühn und freudig ihrem Blick begegnend und ohne die Augen zu senken.

Nicht er, sondern sie geriet in Verwirrung.

„Dies sagt mir nur das Eine, daß Ihr kein Herz habt,“ sagte sie, aber der Blick ihrer Augen zeugte davon, daß sie wisse, er besitze ein Herz, und daß sie sich vor diesem Herzen fürchte.

„Wovon Ihr soeben sprecht, das war nur ein Irrtum, keine Liebe gewesen.“

„Ihr wißt, daß ich Euch verboten habe, dieses Wort auszusprechen; es ist ein häßliches Wort,“ sagte Anna erschreckend; sogleich aber empfand sie, daß sie mit diesem einen Worte des „Verbietens“ gezeigt hatte, sie räume sich selbst gewisse Rechte über ihn ein, und dies mußte ihn nur noch mehr ermutigen, von Liebe zu ihr zu sprechen. „Ich wollte Euch dies schon längst sagten,“ fuhr sie fort, ihm entschlossen ins Auge blickend, während ihr Gesicht sich mit glühendem Purpur bedeckte, „heute bin ich mit bestimmtem Vorsatz hierher gekommen, da ich wußte, ich würde Euch hier antreffen. Ich bin gekommen, Euch zu sagen, daß dies ein Ende nehmen muß. Ich habe nie vor jemand erröten müssen, Ihr aber bringt mich so weit, daß ich mich vor mir selber schuldig fühlen muß.“

Er blickte sie an und war überrascht von dieser neuen, durchgeistigten Schönheit ihres Gesichts.

„Was wollt Ihr aber von mir?“ sagte er dann einfach und ernst.