„Warnen?“ antwortete sie, „wovor?“
Sie blickte ihn so offenherzig, so heiter an, daß jemand, der sie nicht so gekannt hätte, wie ihr Gatte, nichts Unnatürliches an ihr hätte bemerken können, weder in ihrem Tone, noch in der Bedeutung ihrer Worte.
Für ihn aber, der sie kannte, und wußte, daß er, wenn er sich nur fünf Minuten später niederlegte als sie, von ihr vermißt und gefragt wurde weshalb er nicht schlafen gehe, für ihn, welcher wußte, daß alle Freude und Lust, alles Leid ihm stets von ihr mitgeteilt worden war, für ihn bedeutete es gar viel, jetzt zu sehen, daß sie nicht bemerken wollte, in welcher Stimmung er sich befand und kein Wort von ihm selbst sprach.
Er sah, daß die Tiefe ihrer Seele, früher stets vor ihm geöffnet gewesen, jetzt für ihn geschlossen war. Und doch erkannte er an ihrem Tone, daß sie hierüber nicht einmal in Verwirrung geriet, sondern fast keck zu ihm zu sagen schien: Ja, verschlossen, und so muß und wird es in alle Zukunft bleiben. Jetzt erfuhr er an sich ein Gefühl, ähnlich dem, welches ein Mensch empfunden haben würde der nach Hause zurückkehrt und sein Haus verschlossen findet. „Aber vielleicht läßt sich der Schlüssel noch finden,“ dachte Aleksey Aleksandrowitsch.
„Ich möchte dich nur davor warnen,“ sagte er, mit leiser Stimme, „daß du in deiner Unvorsichtigkeit und deinem Leichtsinn der Welt nicht Anlaß geben möchtest zum Klatsch über dich. Deine allzu lebhafte Unterhaltung heute mit dem Grafen Wronskiy“ — er sprach diesen Namen ruhig, in Absätzen und mit festem Tone aus — „hat die allgemeine Aufmerksamkeit auf dich gelenkt.“
Er sprach und blickte ihr dabei in die lachenden, ihm jetzt in ihrer durchdringenden Schärfe furchtbar gewordenen Augen, aber beim Sprechen schon empfand er die ganze Nutzlosigkeit und Vergeblichkeit seiner Worte.
„Du machst es immer so,“ antwortete sie, sich stellend, als verstände sie nicht das Geringste von alledem, was er gesprochen hatte und als habe sie absichtlich nur das Letzte davon aufgefaßt.
„Bald ist es dir unangenehm, wenn ich langweilig bin, bald, wenn ich heiter bin. Ich habe mich nicht gelangweilt, und dies kränkt dich?“
Aleksey Aleksandrowitsch erbebte und drückte seine Hände zusammen, um sie knacken zu lassen.