„Ach, bitte doch, knacke nicht mit den Fingern, ich kann das nicht ausstehen,“ sagte sie.

„Anna, bist du das noch?“ antwortete er leise, eine Anstrengung machend, seine Selbstbeherrschung zu behalten und die Bewegung seiner Hände ruhen lassend.

„Aber was ist denn eigentlich?“ sagte sie mit aufrichtiger und komischer Verwunderung; „was willst du denn eigentlich von mir?“

Aleksey Aleksandrowitsch blieb stumm und fuhr sich mit der Hand über Stirn und Augen. Er sah ein, daß er, anstatt auszuführen, was er zu thun beabsichtigte, nämlich seine Frau zu warnen vor einem Fehltritt in den Augen der großen Welt, unwillkürlich über das in Erregung geriet, was ihr Gewissen anging, und so kämpfte er gewissermaßen mit einer Mauer, die er vor sich zu sehen wähnte.

„Ich habe mich entschlossen, das Folgende zu thun,“ fuhr er kühl und ruhig fort, „und ich bitte dich daher, mich anzuhören. Ich halte, wie du weißt, die Eifersucht für ein beleidigendes und erniedrigendes Gefühl und werde mir niemals gestatten, mich von demselben leiten zu lassen; aber es giebt gewisse Gesetze des Anstandes, die man nicht ungestraft überschreiten darf. Heute nun habe nicht etwa nur ich, sondern, nach dem Eindruck zu urteilen, der in der Gesellschaft hervorgebracht worden ist, — jedermann hat bemerkt, daß du dich nicht völlig in den Schranken bewegt hast, die eben wünschenswert erschienen.“

„Ich verstehe entschieden nichts von alledem,“ antwortete Anna, die Schultern ziehend, „es scheint ihm alles ziemlich gleichgültig zu sein,“ dachte sie bei sich; „aber man hat in der Gesellschaft etwas bemerkt und dies beunruhigt ihn.“

„Du befindest dich nicht wohl, Aleksey Aleksandrowitsch,“ fügte sie laut hinzu, erhob sich und wollte durch die Thür hinausgehen, aber er trat vor sie, als wünsche er, sie zurückzuhalten.

Sein Gesicht sah unschön und finster aus; wie es Anna noch nie gesehen hatte. Sie blieb stehen und begann, den Kopf nach hinten seitwärts wendend, mit ihrer gewandten Hand die Haarnadeln aus ihrer Frisur zu nehmen.

„Nun, ich höre, was da kommen wird,“ sagte sie ruhig und ironisch. „Ich höre sogar mit Interesse, weil ich gern erfahren möchte, um was es sich eigentlich handelt.“

Sie sprach und war verwundert über den natürlichen, ruhigen Ton, den wahren Ton, mit welchem sie gesprochen hatte und über die Wahl der Worte, die sie anwendete.