Lewin war Oblonskiy dankbar dafür, daß derselbe, mit dem ihm stets eignen Takte bemerkend, Lewin scheue sich das Gespräch auf die Schtscherbazkiy zu bringen, nichts von denselben erwähnte.
Jetzt aber verlangte es Lewin doch darnach, das zu erfahren, was ihn so quälte, aber er fand nicht den Mut, davon zu beginnen.
„Wie stehen deine Angelegenheiten?“ frug Lewin, sich daran erinnernd, daß es nicht gut sei, wenn er immer nur an sich selbst denke.
„Du giebst ja freilich nicht zu, daß man noch Semmeln lieben könnte, wenn man schon völlig satt sei, — nach deiner Meinung ist dies ein Verbrechen. Ich aber erkenne kein Leben an ohne Liebe,“ sagte er, die Frage Lewins nach seiner Weise auffassend. „Was ist dagegen zu thun? Ich bin nun einmal so. Und es geschieht damit doch dem Betreffenden so wenig Übles im Vergleich zu der Menge von Angenehmem.“
„Wie, hast du schon wieder eine neue Liaison?“ frug Lewin.
„Allerdings, liebster Freund. Weißt du, du kennst doch den Typus der Ossianischen Weiber, jener Weiber, die man im Traume sieht. — Nun, solche giebt es auch in der Wirklichkeit — und diese Weiber sind furchtbar. Das Frauenzimmer, lieber Freund, ist ein Objekt, welches, so viel man es auch studieren mag, doch immer vollkommen neu bleibt.“
„Dann ist es wohl jedenfalls besser, es gar nicht zu studieren.“
„O nein. Es hat einmal ein Mathematiker gesagt, daß die wahre Befriedigung nicht in der Entdeckung der Wahrheit liege, sondern in der Erforschung derselben.“
Lewin hörte schweigend zu. Ungeachtet aller Anstrengungen, die er machte, konnte er sich nicht dem Ideengang seines Freundes accomodieren und dessen Empfindungen, sowie den Reiz begreifen, der in dem Studium derartiger Frauen liegen sollte.