Das schwarzgelockte Haupt neigend, drückte sie die Stirn an die kalte Vase, welche auf dem Geländer stand und hielt sich an derselben mit ihren beiden schönen Händen, an welchen die Ringe staken, die ihm so wohlbekannt waren. Die Schönheit ihrer ganzen Erscheinung, des Hauptes, des Halses, der Hände, überraschte Wronskiy stets von neuem und berührte ihn gleichsam von neuem wie etwas Unerwartetes.
Er stand, voll Entzücken auf sie blickend. Kaum aber wollte er einen Schritt vorwärts thun, um sich ihr zu nähern, da empfand sie seine Nähe, sie ließ die Vase los und wandte ihm ihr glühendes Gesicht zu.
„Was ist Euch, fühlt Ihr Euch nicht wohl?“ frug er sie auf französisch, ihr näher tretend. Er wollte auf sie zueilen, warf aber zuvor, indem er sich ins Gedächtnis rief, daß Fremde da sein könnten, einen Blick nach der Balkonthür und errötete, wie er stets errötete, wenn er fühlte, daß er in Furcht und Vorsicht handeln müsse.
„Nein; ich bin gesund,“ versetzte sie, sich erhebend und seine dargereichte Hand fest drückend. „Ich erwartete dich nicht“ —
„Mein Gott, wie kalt diese Hände sind!“ rief er aus.
„Du hast mich erschreckt,“ antwortete sie: „ich bin allein und erwarte meinen Sergey; er ist spielend fortgelaufen, sie müssen von hierher kommen.“
Obwohl sie sich bemühte, ruhig zu bleiben, bebten ihre Lippen.
„Verzeiht mir, daß ich gekommen bin, aber ich vermochte den Tag nicht zu verbringen, ohne Euch nur einmal wiederzusehen,“ fuhr er französisch fort, wie er stets that, wenn er das unmöglich klingende, kalte russische „Ihr“ ebenso wie das gefahrbringende russische „du“ umgehen wollte.
„Weshalb verzeihen? Ich freue mich ja!“
„Aber Ihr seid doch unwohl oder verstimmt,“ fuhr er fort ohne ihre Hände freizulassen und sich zu ihr herniederbeugend. „Woran dachtet Ihr?“