„Nur immer an Eins,“ antwortete sie lächelnd.

Sie sagte damit die Wahrheit. Wenn es auch sein mochte, zu jeder Minute zu der man sie hätte fragen mögen, woran sie denke, konnte sie ohne einen Irrtum befürchten zu müssen, antworten, daß sie nur an das Eine, an ihr Glück und an ihr Unglück, gedacht habe.

Auch jetzt hatte sie daran gedacht, als er zu ihr kam; sie dachte daran, weshalb für die anderen, für Bezzy zum Beispiel — sie kannte deren vor der Welt geheim gehaltenes Verhältnis zu Tuschkewitsch — alles dies so leicht war, für sie selbst aber so qualvoll.

Heute quälte sie dieser Gedanke unter dem Drucke verschiedenartiger Erwägungen ganz besonders. Sie erkundigte sich nach den Rennen, er antwortete ihr, da er wahrnahm, daß sie sich in Aufregung befinde, im Bemühen sie zu zerstreuen und begann ihr in möglichst unbefangenem Tone Einzelheiten über die Anstalten zu den bevorstehenden Rennen zu erzählen.

„Soll ich es sagen oder nicht?“ dachte sie hierbei, in seine ruhigen, freundlichen Augen blickend. „Er ist so glücklich, so beschäftigt mit seinen Rennen, daß er nichts verstehen wird, wie es nötig ist, daß er nie die ganze Bedeutung, die dieses Verhältnis für uns hat, erkennen wird.“

„Aber Ihr habt nur noch nicht gesagt, woran Ihr dachtet, als ich eintrat,“ fuhr er fort, sein Gespräch abbrechend, „sagt mir es doch, bitte!“

Sie antwortete nicht, sondern blickte nur, den Kopf ein wenig neigend, verstohlen und fragend mit ihren schimmernden Augen unter den langen Wimpern nach ihm empor. Ihre Hand, mit einem abgepflückten Blatte spielend, zitterte. Er gewahrte dies und sein Gesicht drückte wieder jene Ergebenheit, jene knechtische Hingebung aus, die sie dereinst so sehr gewonnen hatte.

„Ich sehe, daß etwas vorgefallen ist. Kann ich aber eine Minute ruhig sein, wenn ich weiß, daß Ihr ein Leid tragt, welches ich nicht teilen soll? Sprecht zu mir, um Gottes willen,“ sprach er in beschwörendem Tone.

„Ich würde es ihm nie verzeihen, wenn er nicht die ganze Bedeutung der Sache erfassen könnte. Es ist daher besser, ich spreche gar nicht; weshalb eine solche Probe machen,“ dachte sie bei sich selbst, ihn beständig anblickend und fühlend, wie ihre Hand mit dem Blatte mehr und mehr zu zittern begann.

„Bei Gott beschwöre ich Euch,“ wiederholte er, ihre Hand ergreifend.