Der Arzt war sehr unzufrieden mit Aleksey Aleksandrowitsch. Er fand eine bedeutende Lebervergrößerung, die Ernährung beeinträchtigt und die Wirkung des Bades war gleich null.
Er schrieb ihm soviel als möglich körperliche Bewegung, und so wenig als möglich geistige Arbeit vor, hauptsächlich aber möchten aller Ärger streng vermieden werden; also gerade das, was Aleksey Aleksandrowitsch ebenso unmöglich zu gewähren war, als wie er das Atmen hätte unterlassen können. Hierauf fuhr der Arzt von dannen, in Aleksey Aleksandrowitsch eine unangenehme Empfindung zurücklassend, daß etwas in ihm nicht in Ordnung sei, was sich jedoch auch nicht bessern lasse.
Bei seinem Fortgang von Aleksey Aleksandrowitsch stieß der Doktor auf der Treppe mit dem ihm gut bekannten Sljudin, Alekseys Geschäftsführer zusammen.
Beide waren Kameraden auf der Universität gewesen und achteten sich, obwohl sie selten zusammenkamen, als gute Freunde, weshalb denn auch der Arzt niemandem seine aufrichtige Meinung über den Kranken gesagt hätte, als Sljudin.
„Wie freue ich mich, daß Ihr bei ihm waret,“ sagte Sljudin. „Er befindet sich nicht wohl und mir scheint — wie steht es denn?“ —
„So steht es,“ sagte der Arzt, über den Kopf Sljudins hinweg dem Kutscher zuwinkend, daß er vorfahre, „so steht es,“ sagte er, einen Finger seines Glacéhandschuhs in die weißen Hände nehmend und ihn langziehend. „Spannt man die Saiten nicht und probiert man sie zu zerreißen, so ist dies sehr schwer; spannt man sie aber bis zur äußersten Möglichkeit und legt man sich nur mit eines Fingers Schwere auf die gespannte Saite, so springt sie. Er aber mit seiner Unermüdlichkeit, seiner Gewissenhaftigkeit bei der Arbeit — er freilich ist bis zum äußersten Grad angespannt, und eine Beseitigung des Leidens ist nicht direkt lebensgefährlich aber schwer,“ fügte der Arzt hinzu, bedeutungsvoll die Brauen hochziehend. „Werdet Ihr zu den Rennen gehen?“ frug er dann, sich in seinem vorgefahrenen Wagen niedersetzend.
— „Ja, versteht sich, es nimmt mir freilich viel Zeit weg,“ versetzte dann noch der Arzt auf eine Frage Sljudins, die er gar nicht gehört hatte. —
Nach dem Arzte, der Aleksey Aleksandrowitsch soviel Zeit geraubt hatte, erschien der berühmte Chinareisende, und Aleksey setzte nun, die Früchte seiner soeben beendeten Lektüre und seine Kenntnisse über den Gegenstand, die er schon früher besessen hatte, benutzend, den Reisenden in Erstaunen mit der Tiefe seines Wissens und seinem weitreichenden, klaren Blick.
Zugleich mit dem Chinareisenden wurde auch die Ankunft des Gouvernementsdirektors gemeldet, welcher in Petersburg angekommen und mit dem eine Konferenz abzuhalten war. Nach seiner Abreise mußten wieder tägliche Geschäfte mit dem Geschäftsführer erledigt werden und dann mußte er noch in einer ernsten und wichtigen Angelegenheit zu einer hervorragenden Persönlichkeit Petersburgs fahren.