Mit der ganzen Höflichkeit der Franzosen sprach sie den Fürsten sogleich an, lobte denselben, daß er eine so reizende Tochter besitze, und hob Kity fast in den Himmel, indem sie dieselbe einen Schatz, eine Perle und einen Engel des Trostes nannte.
„Also sie ist ein zweiter Engel,“ lächelte der Fürst, „denn sie nannte schon als Engel Nummer eins Mademoiselle Warenka!“
„O! Mademoiselle Warenka ist allerdings der reine Engel, allez!“ versetzte Madame Berthe.
In der Veranda begegneten sie Warenka selbst. Dieselbe schritt den beiden eiligst entgegen, eine kleine elegante rote Tasche in der Hand tragend.
„Papa hier ist angekommen!“ begrüßte Kity sie.
Warenka machte, einfach und natürlich wie alles war was sie that, eine Bewegung, die zwischen Verbeugung und Gruß die Mitte hielt, und wandte sich dann sofort im Gespräch an den Fürsten, unbefangen und natürlich, wie sie mit jedermann sprach.
„Gewiß kenne ich Euch, sehr wohl“ — sagte der Fürst zu ihr mit einem Lächeln, in welchem Kity mit Freude erkannte, daß ihre Freundin dem Vater gefiel. „Wohin eilt Ihr denn so schnell?“
„Maman ist hier,“ sagte sie, sich an Kity wendend, „sie hat die ganze Nacht nicht schlafen können und der Doktor hat ihr eine Ausfahrt angeraten. Ich bringe ihr eine Arbeit.“
„Das ist also Engel Numero eins,“ sagte der Fürst, nachdem Warenka gegangen war.
Kity sah, daß er Lust hatte sich über Warenka lustig zu machen, dies aber nicht über sich gewann, weil sie ihm gefallen hatte.