„Nun so werden wir wohl noch alle deine Freunde sehen; auch Madame Stahl, wenn sie geruht, mich zu erkennen,“ fügte er dann hinzu.
„Hast du sie denn schon gekannt, Papa?“ frug Kity mit einem Schreck, indem sie bemerkte, wie in den Augen des Fürsten der Funke des Spottes bei der Erinnerung der Madame Stahl aufleuchtete.
„Ihren Mann habe ich gekannt, und auch sie ein wenig, schon bevor sie unter die Pietisten gegangen ist.“
„Was ist das, Papa, eine Pietistin?“ frug Kity, schon erschreckt davon, daß das, was sie so hoch an Madame Stahl schätzte, einen Namen hatte.
„Ich weiß es selbst nicht recht, und weiß nur, daß sie für alles Gott dankt, für jedes Unglück — auch dafür, daß ihr Mann gestorben ist. Die Sache ist natürlich lächerlich, da beide in Unfrieden miteinander gelebt haben. — Aber wer ist denn das, jene mitleiderregende Person dort?“ frug der Fürst, welcher einen Kranken von kleiner Figur auf einer Bank sitzen sah, in einem zimmetfarbenen Überzieher und weißen Beinkleidern, welche seltsame Falten um die fleischlosen Knochen der Beine warfen. Der Herr hatte seinen Strohhut über dem spärlichen lockigen Haarwuchs gelüftet, und die hohe krankhaft von dem Hute rotgefärbte Stirn entblößt.
„Das ist Petroff, ein Maler,“ antwortete Kity errötend. „Und das ist seine Gattin,“ fügte sie dann hinzu, auf Anna Pawlowna zeigend, welche gleichsam mit Absicht gerade, als sie herankamen, hinter dem Kinde hereilte, welches auf dem Wege davonlief.
„Wie traurig und wie gut sieht dieses Gesicht aus,“ sagte der Fürst. „Weshalb bist du denn nicht zu ihm getreten? Er wollte dir doch etwas sagen?“
„Gehen wir hin!“ antwortete Kity, sich entschlossen nach ihm umwendend.
„Wie steht es mit Eurer Gesundheit heute?“ frug sie Petroff.
Dieser erhob sich, auf seinen Stock gestützt und blickte schüchtern auf den Fürsten.