„Ihr habt Euch indessen nur sehr wenig verändert,“ fuhr der Fürst fort. „Ich habe wohl seit zehn oder elf Jahren nicht die Ehre gehabt, Euch zu sehen.“
„Ja; Gott schickt uns ein Kreuz und verleiht auch die Kraft es zu tragen. Man staunt oft darüber, in was man sich in diesem Leben schicken kann. — Von der andern Seite!“ — wandte sie sich plötzlich launisch zu Warenka, die ihr das Plaid nicht gut genug um die Füße gewickelt hatte.
„Wohl, damit man Gutes thue,“ sagte der Fürst und seine Augen lachten.
„Darüber dürfen wir nicht richten,“ antwortete Madame Stahl, den Schimmer eines gewissen Ausdrucks auf dem Gesicht des Fürsten bemerkend. „Ihr werdet mir also jenes Buch senden, liebster Graf?“ wandte sie sich an den jungen Schweden.
„Ah,“ rief der Fürst, den Moskauer Obersten erblickend, welcher in der Nähe stand, verabschiedete sich von Madame Stahl, und schritt mit seiner Tochter und dem Moskauischen Obersten, der sich an ihn angeschlossen hatte, von dannen.
„Das ist unsere Aristokratie, Fürst!“ sagte der Moskauische Oberst, im Wunsche, ironisch zu sein. Er hatte ein Vorurteil gegen Madame Stahl, weil diese nicht mit ihm bekannt war.
„Immer dieselbe,“ versetzte der Fürst.
„Ihr habt sie aber doch schon vor ihrer Erkrankung gekannt, Fürst, das heißt, bevor sie sich gelegt hat?“
„Ja wohl. Sie wurde zu meiner Zeit krank.“
„Man sagt, sie wäre seit zehn Jahren nicht ein einziges Mal aufgestanden.“