Sie war gleichsam erwacht und fühlte die ganze Schwierigkeit, die darin lag, sich ohne Heuchelei und Prahlerei auf jener Höhe erhalten zu sollen, auf welche sie hinaufzugelangen wünschte. Weiter aber empfand sie auch die ganze Schwere der Bitternis dieser Welt in der sie lebte, ihrer Leiden und des Todes. Peinlich erschienen ihr die Anstrengungen, welche sie über sich gemacht hatte, um das alles lieben zu können, und sie empfand jetzt bald Sehnsucht nach einem frischen Lufthauch, nach Rußland, nach Pokrowskoje, wohin, wie sie brieflich benachrichtigt worden war, ihre Schwester Dolly mit ihren Kindern bereits übergesiedelt war.
Aber ihre Liebe zu Warenka hatte nicht abgenommen. Beim Abschied bat Kity diese, zu ihnen nach Rußland zu kommen.
„Ich werde kommen, sobald Ihr heiratet,“ hatte Warenka darauf geantwortet.
„Niemals werde ich heiraten!“ —
„Dann werde ich niemals kommen!“
„Also werde ich dann nur deshalb heiraten! Seht zu, seid Eures Versprechens eingedenk!“ sagte Kity.
Die Prophezeiungen des Arztes hatten sich erfüllt. Kity kehrte wiederhergestellt nach Rußland zurück. Sie war nicht mehr so sorglos und heiter, wie vordem, sondern sie war ruhig geworden. Die bitteren Erfahrungen in Moskau waren ihr nur noch eine Erinnerung.