„Ich spreche nicht von anderen, nur von mir selbst!“
„Kity!“ — erklang hier die Stimme der Mutter, „komm doch hierher und zeige Papa einmal deine Zaunkönige!“ —
Mit einem Ausdruck von Stolz und ohne sich mit der Freundin ausgesöhnt zu haben, nahm sie von einem Tische die im Käfig befindlichen Zaunkönige und ging zur Mutter.
„Was ist dir? Du siehst so rot aus?“ frug Vater und Mutter wie mit einer Stimme.
„Nichts,“ versetzte Kity, „ich komme sofort wieder her,“ und eilte nochmals zurück. „Sie wird noch da sein,“ dachte sie, „was soll ich ihr sagen? Mein Gott, was habe ich ihr angethan, was habe ich gesprochen! Wofür habe ich denn sie beleidigt? Was soll ich thun? Was soll ich ihr sagen?“ dachte Kity und blieb an der Thür stehen.
Warenka saß, im Hut und den Sonnenschirm in den Händen, am Tische, und betrachtete die Sprungfeder, welche Kity zerbrochen hatte. Sie hob den Kopf.
„Warenka, vergebt mir, vergebt!“ flüsterte Kity, zu ihr tretend. „Ich weiß nicht mehr, was ich gesprochen habe. Ich“ —
„Ich habe Euch wahrhaftig nicht wehe thun wollen,“ antwortete Warenka, lächelnd.
Der Friede war wieder geschlossen, aber mit der Ankunft des Vaters hatte sich für Kity diese ganze Welt, in welcher sie gelebt, verwandelt. Sie sagte sich zwar nicht los von allem dem, was sie kennen gelernt hatte, aber sie hatte auch erkannt, daß sie sich selbst täuschte, wenn sie glaubte, sie könne so werden, wie sie zu sein wünschte.