„Warum denn so eilen? Bleiben wir noch ein wenig sitzen! Wie bist du aber doch naß geworden! Wenn man auch nichts fängt, so ist es doch ganz hübsch. Alle Jagd ist deshalb angenehm, weil man durch sie mit der Natur in Berührung kommt. Welcher Reiz liegt im Anblick dieses stahlfarbenen Gewässers,“ sprach Sergey Iwanowitsch. „Diese Wiesenufer,“ fuhr er fort, „stets geben sie nur ein Rätsel auf — verstehst du? Das Gras spricht etwas zum Wasser.“
„Ich verstehe das Rätsel nicht,“ versetzte Lewin mißmutig.
3.
„Weißt du, daß ich an dich gedacht habe,“ sagte Sergey Iwanowitsch. „Das ist ja ohnegleichen, wie es bei Euch hier im Kreise zugeht, nach dem was mir dieser Arzt erzählt hat. Er ist durchaus kein Dummkopf. Auch ich habe dir ja schon gesagt, und sage es noch, es ist nicht gut, daß du nicht zur Sobranje fährst und dich überhaupt von den Angelegenheiten des Semstwo zurückgezogen hast. Wenn sich die tüchtigen Männer fernhalten, dann muß alles freilich Gott weiß wohin kommen. Wir zahlen unser Geld, aber es wird zu Belohnungen verwendet und keine Schule, kein Arzt, keine geprüften Hebammen, keine Apotheken, nichts haben wir davon.“
„Ich habe ja doch alles versucht,“ versetzte Lewin halblaut und ungern, „aber ich kann nicht durchdringen! Was bleibt da somit noch zu thun?“
„Warum vermagst du nicht? Das verstehe ich nicht, offen gestanden! Gleichgültigkeit oder Unverständnis räume ich bei dir nicht ein; ist es etwa einfach die Faulheit?“
„Weder dies, noch jenes oder ein drittes. Ich habe versucht und sehe, daß ich nichts thun kann,“ sagte Lewin.
Er hatte sich wenig um das gekümmert was sein Bruder soeben gesprochen, sondern schaute über den Fluß hinüber nach dem Ackerfelde. Er hatte dort etwas Schwarzes wahrgenommen, konnte es aber nicht erkennen. War es ein Pferd oder sein Inspektor zu Pferde?
„Weshalb kannst du gar nichts thun? Du hast einen Versuch gemacht, und derselbe ist nach deiner Meinung nicht geglückt; damit begnügst du dich nun. Wie kann man so wenig Eigenliebe haben?“
„Eigenliebe,“ antwortete Lewin, bei seiner schwachen Seite getroffen von diesen Worten des Bruders, „kenne ich nicht! Hätte man mir auf der Universität gesagt, daß die anderen die Integralrechnung verständen und ich nicht, so wäre das Eigenliebe gewesen. Hierbei aber muß man aber doch schon von vornherein überzeugt sein, daß man zu derartigen Dingen eine gewisse Befähigung braucht; und die Hauptsache ist die, daß alle diese Arbeiten sehr wichtig sind.“