Sergey Iwanowitsch hatte die Abendmahlzeit schon längst beendet und nahm Limonade mit Wasser und Eis in seinem Zimmer zu sich. Er durchflog dabei die soeben von der Post eingetroffenen Zeitungen und Journale, als Lewin mit schweißdurchnäßten und wirr an der Stirn klebenden Haaren, Rücken und Brust von der Feuchtigkeit dunkel gefärbt, mit heiterem Gespräch ins Zimmer zu ihm hereintrat.
„Die ganze Wiese haben wir abgemäht, ah, und wie schön, es ist staunenswert! Was hast du denn den Tag hindurch gemacht?“ frug Lewin, der das unerbauliche Gespräch von gestern völlig vergessen hatte.
„Bei allen Heiligen! Wie siehst du denn aus?“ rief Sergey Iwanowitsch, in der ersten Minute seinen Bruder mit mißbilligendem Blicke musternd. „Aber so schließ doch die Thür, sicherlich hast du ein ganzes Dutzend Mücken hereingelassen!“ rief er dann.
Sergey Iwanowitsch konnte die Fliegen nicht ausstehen und öffnete in seinem Zimmer nur des Nachts die Fenster, die Thür aber hielt er sorgfältig verschlossen.
„Mein Gott, es ist ja keine einzige da, und wenn ich welche hereinließ, dann will ich sie fangen! Du kannst nicht glauben, welches Vergnügen ich gehabt habe. Wie hast du denn den Tag verbracht?“
„Ich habe mich ganz gut unterhalten; aber hast du wirklich den ganzen Tag gemäht? Ich glaube, du mußt hungrig sein wie ein Wolf. Kusma hatte alles für dich fertig gemacht.“
„Nein, ich mag nicht essen, ich habe schon draußen gegessen, aber jetzt will ich gehen und mich waschen.“
„Nun, geh, ich komme dann sogleich zu dir,“ antwortete Sergey Iwanowitsch, kopfschüttelnd seinen Bruder betrachtend. „Geh nun, geh nur schnell,“ fügte er hinzu, lächelte und schickte sich, seine Bücher zusammennehmend, gleichfalls zu gehen an. Er fühlte sich plötzlich bei guter Laune und verspürte keine Neigung, sich von seinem Bruder zu trennen.
„Wo warst du denn, als es regnete?“
„Regnete? Es hat ja kaum getropft! Ich werde aber sogleich wiederkommen. Du hast dich also den ganzen Tag über wohl befunden? Das ist ja hübsch.“ Lewin ging, um sich anzukleiden.