Die Sonne sank hinter dem Walde, der Thau begann schon zu fallen, und nur auf der Anhöhe waren die Mäher noch in der Sonne, unten aber, wo sich der Nebel erhob und jenseits gingen die Schnitter im frischen duftigen Schatten; die Arbeit war in vollstem Zuge.
Das unter sausendem Geräusch niedergestreckte Gras sank duftend in hohen Reihen und die Schnitter, von allen Seiten sich zu kurzen Zügen zusammendrängend, bald mit den Wetzsteinen klappernd, bald mit den Sensen klirrend, trieben sich unter lustigen Zurufen.
Lewin schritt noch immer zwischen dem jungen Arbeiter und dem Alten. Der letztere, welcher jetzt seine Schafwolljacke angezogen hatte, befand sich ebenfalls in lustiger aufgeräumtester Stimmung und bewegte sich mit voller Lebendigkeit. Im Walde fand man von den Sensen getroffene dicke Birkenschwämme im saftigen Grase. Der Alte bückte sich bei jedem derselben, hob ihn auf, prüfte, und steckte ihn dann in den Brustlatz. „Das ist etwas für meine Alte,“ sagte er dabei.
So leicht es auch war, das nasse, dünne Gras mit der Sense zu schneiden, so schwierig war es, an den steilen Abhängen der Schlucht auf und abzusteigen beim Mähen. Aber den Alten verdroß dies nicht; die Sense stetig schwingend, ging er mit seinen kleinen, festen Schritten, die Füße in den mächtigen Bastschuhen, langsam die Anhöhen hinan und obwohl er dabei vor Anstrengung am ganzen Körper zitterte und die Beinkleider ihm tief herabgerutscht waren, ließ er doch kein einziges Hälmchen, keinen Pilz auf seinem Wege stehen und scherzte dabei mit den Arbeitern und mit Lewin ruhig weiter.
Dieser folgte ihm und dachte oft, er würde sicher stürzen, indem er mit der Sense an einem steilen Hügel hinanstieg, an welchem es schon ohne solche schwierig war, hinaufzukommen. Aber er stieg und that seine Pflicht, und empfand dabei, daß gleichsam eine gewisse äußere Macht mit ihm wirkte.
6.
Man hatte den „Maschkin Werch“ abgemäht und legte die letzten Schwaden nieder; die Röcke wurden angezogen und alles kehrte in fröhlicher Stimmung heim.
Lewin setzte sich auf sein Pferd, und ritt, sich nur ungern von seinen Bauern verabschiedend, heim. Oben von dem Berge herab blickte er um sich; er gewahrte nichts mehr von den Leuten in dem aus der Niederung aufsteigenden Nebel, nur ihre Stimmen waren noch vernehmbar, lustige rauhe Stimmen, Lachen und die Töne der aneinanderklirrenden Sensen.