„Ach, ich liebe es schon,“ antwortete Anna.
„Nun, wie fangt Ihr es denn an, daß es Euch nicht langweilt? Wenn man Euch anschaut — Ihr seid wohlauf! Ihr lebt, ich aber langweile mich.“
„Inwiefern langweilt Ihr Euch? Ihr seid selbst doch die lebenslustigste Gesellschaft Petersburgs?“ frug Anna.
„Mag sein, daß es denen, die nicht zu unsrem Cirkel gehören, noch langweiliger wird, mir aber, auf Treu und Glauben, ist es durchaus nicht froh zu Mut, sondern entsetzlich — entsetzlich langweilig.“ —
Sappho, welche eine Cigarette angezündet hatte, begab sich nach dem Garten in Begleitung der beiden jungen Herren; Bezzy und Stremoff blieben beim Thee zurück.
„Wie langweilig ist doch das Leben,“ sagte Bezzy; „Sappho sagt, daß man sich gestern sehr gut bei Euch unterhalten hätte.“
„O, es war doch sehr öde!“ sagte Lisa Merkalowa, „wir begaben uns alle nach meinem Hause, als die Rennen zu Ende waren, — immer die Alten, immer die Alten; — immer ein und dasselbe! — Den ganzen Abend wälzte man sich auf den Diwans; — was ist dabei Unterhaltendes? Wie fangt Ihr es nur an, Euch nicht zu langweilen?“ wandte sie sich plötzlich an Anna. „Es ist der Mühe wert sich nach Euch zu richten; man sieht da eine Frau, die vielleicht glücklich ist, vielleicht auch unglücklich, — aber jedenfalls doch eine, welche sich nicht langweilt. Lehrt uns, wie Ihr das anfangt!“
„Ich thue nichts Besonderes,“ antwortete Anna, über diese herausfordernden Fragen errötend.
„Dies ist die beste Art und Weise,“ mischte sich Stremoff ins Gespräch. Stremoff war ein Mann von einigen fünfzig Jahren, halb ergraut, noch frisch aber ziemlich unschön, jedoch mit charakteristischem und klugem Gesicht.
Lisa Merkalowa war die Nichte seiner Frau und alle seine freien Stunden brachte er bei ihr zu. Indem er mit Anna Karenina zusammentraf, er als der Feind Aleksey Aleksandrowitschs im Amtsverkehr, bemühte er sich als kluger Weltmann, mit der Gattin seines Gegners ganz besonders liebenswürdig zu sein.