„Du siehst, was für ein Mensch er ist,“ sprach sie mit bebender Stimme, „er“ —
„Vergieb, aber mich freut dies,“ unterbrach sie Wronskiy, — „um Gott, laß mich ausreden,“ — fügte er hinzu, sie mit dem Blick beschwörend, ihm Zeit zu gönnen, seine Worte zu erläutern. „Ich freue mich, daß die Sache durchaus nicht so bleiben kann, wie er vorschlägt.“
„Und warum kann sie es nicht?“ frug Anna, ihre Thränen zurückdrängend und seinen Worten offenbar nicht die geringste Bedeutung beimessend. Sie empfand, daß ihr Schicksal besiegelt war.
Wronskiy wollte sagen, daß nach dem, seiner Meinung nach unvermeidlichen Duell das Verhältnis nicht weiter fortgesetzt werden könne, aber er sprach etwas Anderes.
„Es kann nicht so fortgehen. Ich hoffe, du wirst ihn jetzt verlassen und hoffe“ — er geriet in Verlegenheit und errötete, „daß du mir erlaubst, unser Leben einzurichten und alles zu erwägen. — Morgen“ — begann er nochmals — aber sie ließ ihn nicht aussprechen.
„Und mein Kind?“ rief sie. „Du siehst doch, was er schreibt? Ich muß ihn verlassen, aber ich kann und will es nicht thun!“
„Mein Gott, was gäbe es aber besseres, als dies? Das Kind mußt du verlassen, oder dieses erniedrigende Dasein weiterführen.“
„Für wen erniedrigend?“
„Für alle, und am meisten für dich!“
„Du sprichst beleidigend — sage das nicht! Diese Worte besitzen für mich keinen Sinn,“ sagte sie mit zitternder Stimme. Sie wollte jetzt nicht, daß er eine Unwahrheit spräche, es blieb ihr nur noch seine Liebe und sie wollte ja lieben. „Bedenke, daß mit dem Tage, seit welchem ich dich geliebt, sich alles für mich verändert hat. Für mich giebt es nur eines noch und das ist deine Liebe. Wenn diese mir gehört, dann fühle ich mich so hoch, so sicher, daß nichts für mich erniedrigend werden könnte. Ich wäre stolz auf meine Lage, weil — stolz darauf — stolz“ — sie sprach nicht aus, worauf sie stolz wäre. Thränen der Scham und der Verzweiflung erstickten ihr die Stimme. Sie hielt inne und schluchzte auf.