Nachdem er einige Zeit geschrieben hatte, trat Lewin plötzlich mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit das Bild Kitys vor das Auge, ihre Absage und die letzte Begegnung. Er stand auf und begann im Zimmer auf und abzuschreiten.

„Ihr brauchtet Euch nicht so zu langweilen,“ begann Agathe Michailowna, „wozu sitzt Ihr hier zu Hause? Ihr müßtet in die warmen Bäder, da geht man jetzt hin!“

„Übermorgen reise ich auch, Agathe Michailowna, ich muß mein Werk zu Ende bringen.“

„O, Euer Werk! Es ist doch nur, daß Ihr die Bauern beschenkt. Die aber sagen höchstens: ‚Lohn's ihm der Zar!‘ Es ist doch zu seltsam, weshalb Ihr Euch soviel um die Bauern sorgt.“

„Ich sorge nicht für sie, sondern handle für mich.“

Agathe Michailowna kannte alle Einzelheiten der Wirtschaftspläne Lewins. Dieser hatte ihr seine Ideen schon häufig mit allen ihren Feinheiten dargelegt und war nicht selten mit ihr in Wortwechsel geraten, wenn er sich mit ihren Erklärungen nicht einverstanden fühlte. Jetzt aber faßte sie das, was er ihr gesagt hatte, ganz anders auf.

„Es ist eine bekannte Sache, daß man auf sein eigenes Heil am meisten bedacht sein muß,“ sagte sie mit einem Seufzer. „Da ist der Parthen Djenisytsch; obwohl er weder lesen noch schreiben konnte, ist er doch so gestorben, wie es der liebe Gott jedermann fügen möchte,“ fuhr sie fort, von einem unlängst verstorbenen Bauern sprechend, „man hat ihm das Abendmahl und die letzte Ölung gespendet.“

„Davon spreche ich nicht,“ sagte Lewin, „ich sagte, daß ich für meinen Vorteil wirke. Mir ist es nützlicher, wenn die Bauern besser arbeiten.“

„Ja, aber was Ihr auch thun mögt, wenn der Bauer ein Faulenzer ist, so werdet Ihr doch nur die Wurst nach der Speckseite werfen; ist er hingegen ein gewissenhafter Mensch, dann wird er ohnehin arbeiten; wenn nicht, so kann man nichts machen.“