„Dies ist ein Zeichen davon, daß hier grobe Arbeit nicht nötig ist. Hier arbeitet eben nur der Geist.“
„Mag sein. Aber dennoch erscheint mir das seltsam; ebenso, wie es mir jetzt wunderlich vorkommt, daß wir Landbewohner uns bestreben, möglichst schnell zu essen, um wieder in Stand gesetzt zu sein zu arbeiten, während ich jetzt mit dir zusammen so lange als möglich speise, und zu diesem Zwecke noch Austern esse.“
„Läßt sich begreifen,“ sagte Stefan Arkadjewitsch, „aber hierin liegt ja eben der Ausgangspunkt der Kultur: aus allem sich einen Genuß zu verschaffen.“
„Wenn dies das Ziel der Kultur sein soll, dann wünschte ich lieber wild zu bleiben.“
„Bleibe immerhin wild. Ihr Lewins seid alle wild.“
Lewin seufzte. Er gedachte seines Bruders Nikolay und es wurde ihm schwer und traurig zu Mute, so daß er die Stirne runzelte, Oblonskiy aber begann soeben von einem Gegenstand zu sprechen, der ihn sogleich hiervon abzog.
„Also fahren wir denn heute Abend zu unseren Schtscherbazkiys?“ frug Stefan Arkadjewitsch, die leeren, rauhen Schalen beiseite schiebend und den Käse heranziehend, während sein Auge bedeutungsvoll erglänzte.
„Ja, ich werde unfehlbar fahren,“ antwortete Lewin, „obwohl mir schien, als wenn die Fürstin mich nicht gern eingeladen hätte.“
„Was sagst du doch da! Das ist Unsinn, es ist das so ihre Manier — he, Freund, gieb die Suppe jetzt! Es ist das so ihre Manier, als grande dame,“ sagte Stefan Arkadjewitsch. „Ich werde ebenfalls mit hinkommen, doch muß ich auch noch auf eine Weile zur Gräfin Bonina. Du bist aber doch zu seltsam! Wie soll ich es nur erklären, daß du so plötzlich aus Moskau verschwandest? Die Schtscherbazkiy haben mich ununterbrochen nach dir gefragt, gleich als ob ich das wissen müßte. Ich weiß eigentlich nur das Eine, daß du stets das thust, was niemand sonst thut.“
„Ja, ja,“ antwortete Lewin, langsam aber erregt, „du hast recht, ich bin seltsam. Nur beruht meine Seltsamkeit nicht darin, daß ich Moskau verließ, sondern darin, daß ich wiedergekommen bin. Jetzt bin ich wiedergekommen“ —