Lewin geriet bei diesen Worten plötzlich in Zorn, da er auf dem Grunde seiner Seele die Befürchtung empfand, der Bruder könne recht haben — recht darin, daß er selbst zwischen dem Socialismus und den Ordnungsformen schwanke — was doch schwerlich möglich sein konnte.
„Ich suche Mittel dafür, mit Gewinn zu arbeiten, sowohl für mich selbst, wie für den Arbeiter. Ich will organisieren,“ antwortete er heftig.
„Nichts willst du organisieren; du willst einfach originell sein, wie du es Zeit deines Lebens gewesen bist; du willst zeigen, daß du nicht mit den Bauern experimentierst, sondern vielmehr mit der Idee.“
„Nun — denkst du so — lassen wir das!“ versetzte Lewin, welcher fühlte, daß ihm der Muskel seiner linken Wange bebte, ohne daß er dies unterdrücken konnte.
„Du hattest nie Überzeugungen, und hast auch jetzt keine; nur deine Eigenliebe willst du befriedigen.“
„Schön so; aber verlaß dieses Thema!“
„Ich werde es lassen! Es ist schon längst Zeit dazu! Zum Teufel auch mit dir, ich wünschte, ich wäre gar nicht hergekommen!“
So sehr sich Lewin nun bemühte, den Bruder zu beruhigen, Nikolay wollte nichts hören und sagte, daß er am liebsten gleich wieder fortfahren möchte; Lewin sah, daß dem Bruder das Leben unerträglich geworden war.
Nikolay hatte bereits alle Anstalten zur Abreise getroffen, als Lewin wieder zu ihm kam und ihn bat, zu verzeihen, wenn er ihn gekränkt haben sollte.
„O, diese Großmut!“ antwortete Nikolay lächelnd. „Wenn du denn einmal recht behalten willst, so will ich dir dieses Vergnügen gewähren. Du hast recht. Aber ich will dennoch fahren!“