Bei der Abreise selbst küßte ihn Nikolay und sprach, plötzlich seltsam und ernst auf den Bruder blickend:

„Bei alledem; gedenke meiner nicht im Bösen, mein Konstantin!“ und seine Stimme schwankte.

Dies waren die einzigen Worte, die aufrichtig gesprochen worden waren. Lewin begriff, daß in diesen Worten der Sinn lag: „Du siehst es und weißt, daß ich sehr krank bin, und wir uns vielleicht niemals wieder sehen.“

Lewin verstand dies und die Thränen strömten ihm aus den Augen. Noch einmal küßte er seinen Bruder, konnte ihm aber nichts mehr antworten, — wußte ihm auch nichts mehr zu sagen. —

Am dritten Tage nach der Abreise des Bruders reiste Lewin nach dem Auslande ab. Als er auf der Eisenbahn mit Schtscherbazkiy, einem Vetter Kitys, zusammentraf, setzte er diesen durch seine Niedergeschlagenheit sehr in Erstaunen.

„Was hast du denn?“ frug ihn Schtscherbazkiy.

„Nichts weiter; es giebt ja so wenig Angenehmes auf der Welt.“

„Inwiefern denn wenig? Komm, fahre mit mir nach Paris, in Gesellschaft eines gewissen Mylus. Da sollst du sehen, wie lustig es auf der Welt ist!“

„Nein. Ich bin schon fertig und möchte bald sterben.“

„Das ist doch dein Spaß!“ lachte Schtscherbazkiy, „ich bin ja erst im Begriff anzufangen!“