Hastig kleidete er sich an, und eilte, gleichsam eine Schale voll Wut tragend und befürchtend, von ihrem Inhalt zu verschütten, und zugleich damit an Energie einzubüßen, deren er zur Auseinandersetzung mit seinem Weibe bedurfte — zu ihr, sobald er gehört hatte, daß sie sich erhoben habe.

Anna, welche stets geglaubt hatte, ihren Mann so genau zu kennen, geriet in Bestürzung bei seinem Anblick, als er zu ihr ins Gemach trat. Seine Stirn war finster gerunzelt, seine Augen blickten düster, gerade aus, ihren Anblick meidend; sein Mund war fest und mit verächtlichem Ausdruck zusammengekniffen. Im Gang, in seinen Bewegungen, dem Ton seiner Stimme lag eine Entschlossenheit und Festigkeit, die sein Weib noch nie an ihm wahrgenommen hatte.

Er trat ins Zimmer und schritt, ohne ihr einen Morgengruß zu bieten, geradenwegs auf ihren Schreibtisch zu, ergriff die Schlüssel und öffnete das Schubfach.

„Was wollt Ihr!“ rief Anna Karenina.

„Die Briefe Eures Liebhabers!“ antwortete er.

„Hier giebt es keine,“ versetzte sie, den Kasten schließend, doch er erkannte an dieser Handlung, daß er richtig vermutet habe und riß, ihren Arm rauh wegstoßend, schnell eine Brieftasche an sich; in welche sie, wie er wußte, ihre notwendigsten Papiere zu legen pflegte. Sie wollte ihm die Brieftasche entreißen, allein er stieß sie von sich.

„Setzt Euch! Ich habe mit Euch zu reden,“ sagte er, die Brieftasche unter den Arm nehmend und sie so heftig mit seinem Ellbogen klemmend, daß sich seine Schulter hob.

Erstaunt und scheu blickte sie wortlos auf ihn.

„Ich habe Euch gesagt, daß ich Euch nicht gestatten könne, Euren Liebhaber bei Euch selbst zu sehen.“