Auf seinem Platze wieder angelangt, fing er ganz unmerklich noch eine Motte, „da wird mein Rips gut werden für den Sommer,“ dachte er dabei ärgerlich.

„Ihr wolltet vorhin sagen.“ — wandte er sich an Aleksey Aleksandrowitsch.

„Ich werde Euch meinen Entschluß brieflich mitteilen,“ antwortete dieser, und stand auf, sich am Tische festhaltend. Nachdem er eine Weile schweigend so gestanden hatte, hub er an: „Aus Euren Worten kann ich schließen, daß eine Ehescheidung folglich möglich ist. Ich würde Euch nun bitten, mir auch mitzuteilen, wie Eure Bedingungen hierfür lauten.“

„Möglich ist alles, sobald Ihr mir Vollmacht zu handeln gebt,“ antwortete der Anwalt, ohne auf die Frage zu antworten. „Wann kann ich darauf rechnen, Nachricht von Euch zu empfangen?“ frug er weiter, sich nach der Thür wendend, während seine Augen und seine Lackstiefeln dabei glänzten.

„In acht Tagen. Eure Antwort, ob Ihr die Vermittelung der Angelegenheit auf Euch nehmt und zu welchen Bedingungen, seid Ihr wohl so gütig, mir mitzuteilen?“

„Sehr wohl.“

Der Rechtsanwalt verneigte sich voll Ehrerbietung, ließ seinen Klienten aus der Thür hinaustreten und gab sich dann, allein geblieben, seinen angenehmen Empfindungen hin. Er war so zufrieden mit sich, daß er gegen seine Grundsätze der Kaufmannsfrau einen Nachlaß in den Kosten bewilligte und aufhörte Motten zu fangen, da er sich nunmehr fest entschlossen hatte, im nächsten Winter sein Meublement mit Sammet zu beziehen, wie es bei Sugonin war.

6.

Aleksey Aleksandrowitsch erlangte einen glänzenden Sieg in der Kommissionssitzung vom siebzehnten August, aber die Folgen dieses Sieges untergruben seine Stellung. Eine neue Kommission zur allseitigen Untersuchung der Lage der Ausländer wurde eingesetzt und ging mit einem ungewöhnlichen, von Aleksey Aleksandrowitsch erweckten Eifer schnell nach den Örtlichkeiten ab. Binnen drei Monaten wurde der Bericht vorgelegt. Die Lage der Fremden war nach der politischen, administrativen, ökonomischen, ethnographischen, materiellen und religiösen Seite hin untersucht, und auf alle Fragen waren wohlgesetzte Antworten gegeben, Antworten, die keinen Zweifel mehr zuließen, da sie nicht das Ergebnis einer stets dem Irrtum ausgesetzten menschlichen Gedankenarbeit, sondern sämtlich das Resultat amtlicher Pflichterfüllung waren.

Die Bescheide waren sämtlich das Resultat offizieller Daten, von Gouverneuren und Bischöfen, die sich ihrerseits stützten auf die Darlegungen der Kreisoberhäupter und Inspektoren, die auch wieder erst auf den Berichten der Bezirksleitungen und Pfarroberhäupter beruhten, erstattet und infolge dessen keine Anzweiflung duldend. Alle diese Fragen, zum Beispiel die, weshalb Mißernten eintreten, weshalb die Bewohner an ihrem Glauben festhalten &c., Fragen, welche nicht ohne einen glatten Gang der Maschine der amtlichen Thätigkeit zu lösen sind, und in Jahrhunderten nicht gelöst werden können, erhielten eine deutliche unanfechtbare Klarstellung. Diese Klarstellung aber lag zu Gunsten der Meinung Aleksey Aleksandrowitschs. Stremoff indessen, der sich in der letzten Sitzung bei seiner schwachen Seite getroffen gefühlt hatte, wendete bei dem Eingang der Darlegungen der Kommision eine für Aleksey Aleksandrowitsch unerwartete Taktik an.