Er siegelte soeben das Couvert an den Rechtsanwalt, als der laute Klang der Stimme Stefan Arkadjewitschs vernehmbar wurde. Dieser stritt mit dem Diener Aleksey Aleksandrowitschs und bestand darauf, gemeldet zu werden.
„Gleichviel,“ dachte Aleksey Aleksandrowitsch, „um so besser, ich werde sofort Aufklärungen über meine Lage in Bezug auf seine Schwester geben und auseinandersetzen, weshalb ich nicht bei ihm speisen kann.“
„Laß eintreten,“ sprach er laut, seine Papiere zusammennehmend und sie in eine Mappe steckend.
„Nun siehst du doch, daß du gelogen hast; er ist ja zu Haus?“ antwortete die Stimme Stefan Arkadjewitschs dem Diener, der ihn nicht hatte einlassen wollen, und im Gehen den Überzieher abnehmend, trat Oblonskiy in das Zimmer.
„Ich bin sehr erfreut, daß ich dich angetroffen habe; so darf ich also wohl hoffen,“ begann Stefan Arkadjewitsch heiter.
„Ich kann nicht kommen,“ versetzte Aleksey Aleksandrowitsch kalt, stehend, und ohne den Besuch zum Niedersetzen einzuladen. Er gedachte sogleich in jene kühlen Beziehungen zu treten, die er dem Bruder des Weibes gegenüber zu beobachten hatte, gegen welches er den Ehescheidungsprozeß angestrengt hatte; allein er hatte nicht mit jenem Ocean von Gutherzigkeit gerechnet, der in der Seele Stefan Arkadjewitschs über die Ufer trat.
Dieser riß seine glänzenden, hellen Augen weit auf.
„Weshalb kannst du denn nicht? Was willst du damit sagen?“ frug er schwankend auf französisch. „Nein; du hattest es doch schon versprochen. Wir alle rechnen ja auf dich!“
„Ich will damit sagen, daß ich deshalb nicht bei Euch sein kann, weil die verwandtschaftlichen Beziehungen, welche zwischen uns bestanden haben, abgebrochen werden müssen.“
„Wie? Gewiß? Warum denn?“ fuhr Stefan Arkadjewitsch lächelnd fort.