„Ja, das ist das allerbeste Mittel!“ sagte er, Käse kauend und eine ganz besondere Sorte Liqueur in das dargebotene Gläschen gießend. Das Gespräch hatte in der That mit dem scherzhaften Einfall sein Ende erreicht. „Der Käse ist nicht übel. Befehlt Ihr?“ frug der Hausherr. „Hast du nicht wieder geturnt?“ wandte er sich dann an Lewin, mit der Linken dessen Armmuskel befühlend. Lewin lächelte, er spannte den Armmuskel und in den Fingern Stefan Arkadjewitschs hob sich wie ein runder Käse ein stahlharter Hügel unter dem dünnen Stoff des Überrockes. „Das ist der Biceps! Der reine Simson! Ich glaube, man muß viel Kraft haben für die Bärenjagd,“ fuhr Stefan Arkadjewitsch fort, der nur sehr dunkle Vorstellungen von der Jagd hatte, und strich sich Käse, eine Scheibe Brot, so dünn wie ein Spinnengewebe, brechend.

Lewin lächelte.

„Gar keine, im Gegenteil, ein Kind kann einen Bären töten,“ sagte er, mit leichter Verbeugung vor den Damen zur Seite tretend, welche mit der Dame des Hauses zu dem Büffet gingen.

„Ihr habt einen Bären erlegt, sagte man mir?“ frug Kity, sich aufmerksam bemühend, mit der Gabel einen widerspenstigen, beiseite schlüpfenden Pilz aufzuspießen, wobei sie die Spitzen schüttelte, aus welchen ihre weiße Hand hervorschimmerte. „Giebt es denn bei Euch Bären?“ fügte sie hinzu, halb abgewendet ihr reizendes Köpfchen nach ihm hin drehend und lächelnd.

Es schien nichts Ungewöhnliches in dem zu liegen, was sie gesagt hatte, aber eine gewisse für ihn mit Worten nicht auszudrückende Bedeutsamkeit, lag in jedem Ton, in jeder Bewegung ihrer Lippen, ihrer Augen und Hände, als sie dies sagte. Es lag selbst eine Bitte um Vergebung, ein Zutrauen zu ihm darin, eine Zärtlichkeit, eine weiche, schüchterne Zärtlichkeit und eine Verheißung, eine Hoffnungsseligkeit und Liebe zu ihm, an die er glauben mußte, und die ihn mit Glückseligkeit fast erdrückte.

„Nein, wir waren in das Gouvernement Twersk gefahren. Auf der Rückkehr von dort traf ich im Waggon mit Eurem Beau-frère, oder dem Schwager Eures Beau-frère zusammen,“ sagte er lächelnd. „Es war ein komisches Zusammentreffen.“

Heiter scherzend erzählte er nun, wie er, nachdem er eine ganze Nacht hindurch nicht geschlafen hatte, im Halbpelz, in das Coupé Aleksey Aleksandrowitschs geraten sei.

„Der Schaffner wollte mich meiner Garderobe halber wieder herausbringen, aber da begann ich, mich in der höheren Sprechweise auszudrücken, — und Ihr desgleichen,“ — wandte er sich an Karenin, dessen Namen er vergessen hatte, „man wollte mich anfangs des Halbpelzes halber herausbringen, aber dann tratet Ihr für mich ein, wofür ich Euch sehr dankbar bin.“

„Im allgemeinen sind die Rechte der Passagiere für die Auswahl der Plätze sehr unbestimmt,“ sagte Aleksey Aleksandrowitsch, sich mit dem Taschentuch die Fingerspitzen abwischend.

„Ich hatte gesehen, daß Ihr über meine Persönlichkeit in Ungewißheit waret,“ fuhr Lewin mit gutmütigem Lächeln fort, „aber ich beeilte mich, eine verständige Unterhaltung anzuspinnen, um den Eindruck meines Halbpelzes zu verwischen.“