„Wir haben drei Stunden vereint im Waggon verlebt,“ lächelte Lewin, „und trennten uns dann wieder, nachdem wir, wie bei einer Maskerade, einander einen Streich gespielt hatten — wenigstens ging mir es so.“

„So, so! Darf ich denn nun bitten?“ fuhr Stefan Arkadjewitsch fort, in der Richtung nach dem Speisezimmer zeigend.

Die Herren betraten dasselbe und begaben sich zu dem Tisch mit einem Imbiß, der aus sechs Sorten Liqueuren, ebensoviel Sorten Käse, mit silbernen Löffelchen, Kaviar, Hering, verschiedenen Konserven bestand und Tellern voll Scheiben französischen Weißbrotes. Die Herren standen bei den duftenden Liqueuren und dem Imbiß, und die Unterhaltung über die Russifizierung Polens zwischen Sergey Iwanowitsch Koznyscheff, Karenin und Peszoff verstummte in der Erwartung der Tafel.

Sergey Iwanowitsch, der es wie keiner verstand, im Interesse der Beendigung eines ernsten Streitgesprächs ganz unvorhergesehenerweise ein wenig attisches Salz zu streuen und damit die Stimmung der Parteien zu ändern, that dies auch jetzt.

Aleksey Aleksandrowitsch hatte dargelegt, daß eine Russifizierung Polens nur auf Grund edelster Prinzipien zur Durchführung zu bringen sei, die von der russischen Verwaltung einzuführen wären.

Peszoff behauptete, ein Volk könne sich einem anderen nur dann assimilieren, wenn es dichter mit Kolonisten desselben durchsetzt würde.

Koznyscheff erkannte beides an, aber mit Beschränkungen. Als man den Salon verließ, sagte er, um das Gespräch zu schließen, lächelnd:

„Es giebt demnach für die Russifizierung der Ausländer nur ein Mittel — so viel als möglich Kinder dorthin zu exportieren. Auf diese Weise gehen wir mit unsern eigenen Leuten am wenigsten human um. Ihr aber als verheiratete Leute, ihr Herren, besonders Ihr, Stefan Arkadjewitsch, würdet so völlig patriotisch handeln. Wieviel Kinder habt Ihr?“ wandte er sich freundlich lächelnd an den Hausherrn, diesem ein kleines Gläschen hinreichend.

Alle lachten, am lustigsten Stefan Arkadjewitsch selbst.