„Aber,“ begann er, sich mit feinem Lächeln an Karenin wendend, „man muß doch sicherlich damit einverstanden sein, daß es schwierig ist, alle Vorteile und Nachteile dieser und der anderen Wissenschaften abzuwägen, und daß die Frage, welche vorzuziehen sei, nicht so schnell und endgültig entschieden wäre, wenn nicht auf seiten der klassischen Bildung jener Vorzug bestände, den Ihr soeben genannt habt, der ethische oder — disons le mot — der antinihilistische Einfluß.“

„Ohne Zweifel.“

„Befände sich nicht dieser Vorzug des antinihilistischen Einflusses auf seiten der klassischen Wissenschaften, so müßten wir eher nachdenken, müßten die Argumente für beide Richtungen abwägen,“ sagte Sergey Iwanowitsch fein lächelnd, „und würden dieser und der anderen Richtung Spielraum lassen müssen. Nun aber wissen wir, daß in diesen Pillen der klassischen Bildung die Heilkraft des Antinihilismus liegt, und werden diese daher kühnlich unseren Patienten verschreiben. Und warum sollten sie eine Heilwirkung nicht besitzen?“ schloß er, sein attisches Salz streuend.

Bei der Erwähnung der Pillen Sergey Iwanowitschs lachte alles, und ausnehmend laut und lustig Turowzin, der nur auf den witzigen Punkt gewartet hatte, während er dem Gespräch zuhörte.

Stefan Arkadjewitsch hatte sich nicht verrechnet, als er Peszoff mit einlud. Wo dieser war, konnte die geistreiche Unterhaltung nicht für eine Minute verstummen und kaum hatte Sergey Iwanowitsch mit seinem Scherz das Thema erschöpft, als Peszoff schon sogleich ein neues aufstellte.

„Man kann aber auch nicht damit einverstanden sein,“ sagte er, „daß etwa die Regierung dieses Ziel verfolgen möchte. Die Regierung wird augenscheinlich von allgemeinen Erwägungen geleitet, und bleibt den Einflüssen gegenüber indifferent, welche die ergriffenen Maßregeln im Gefolge haben können. Zum Beispiel die Frage der Frauenemancipation müßte für höchst gefahrdrohend gehalten werden, und doch öffnet die Regierung die Studienkurse und Universitäten für das weibliche Geschlecht.“

Die Unterhaltung war nun sofort auf das neue Thema der Frauenemancipation übergesprungen.

Aleksey Aleksandrowitsch gab dem Gedanken Ausdruck, daß die Bildung des weiblichen Geschlechts gewöhnlich mit der Frage der Frauenemancipation vermengt würde und nur deshalb für schädlich erachtet werden könne.

„Ich glaube im Gegenteil, daß diese beiden Fragen untrennbar miteinander verbunden sind,“ bemerkte Peszoff, „hier liegt ein Trugschluß vor. Das Weib ist der Rechte beraubt wegen seines Mangels an Bildung, der Mangel an Bildung aber rührt her von seiner Rechtlosigkeit. Man darf es nicht vergessen, daß die Sklaverei des Weibes so mächtig und alt ist, daß wir oft nicht einmal den Abgrund erkennen wollen, der die Weiber von uns trennt.“

„Ihr habt da von Rechten gesprochen,“ meinte Sergey Iwanowitsch, welcher gewartet hatte, bis Peszoff schwieg, „wohl von den Rechten auf Arbeit in den Ämtern der Geschworenen, Polizeidirektoren, der Beamten, Parlamentsmitglieder“ —