„Es war früh, sehr früh am Morgen und Ihr waret wohl so eben erwacht. Maman schlief noch in ihrer Ecke. Es war ein wundervoller Morgen. Ich ging und dachte, wer mag denn das sein, dort im Wagen. Eine herrliche Tschetwjorka mit Schellen; — in einem Augenblick kamet Ihr vorüber; ich sah durch das Fenster — da saßet Ihr, mit beiden Händen die Bänder des Häubchens haltend und schienet über irgend Etwas in tiefem Nachdenken zu sein,“ erzählte er lächelnd. „Wie gern wüßte ich, woran Ihr damals gedacht habt. An etwas Wichtiges?“
„Sollte ich nicht sehr unordentlich ausgesehen haben?“ dachte Kity; als sie indessen das entzückte Lächeln gewahrte, welches die Erinnerung an diese Einzelheiten auf seinen Zügen hervorrief, da empfand sie, daß im Gegenteil der Eindruck, den sie hervorgebracht, nur ein sehr guter gewesen sei. Sie errötete und lächelte freudig.
„Ich entsinne mich wirklich nicht mehr.“
„Wie herzlich lacht doch dieser Turowzin!“ sagte Lewin, freundlich dessen feuchtschimmernde Augen und den sich schüttelnden Körper betrachtend.
„Ihr kennt ihn seit langem?“ frug Kity.
„Wer sollte ihn nicht kennen?“
„Ich sehe, daß Ihr glaubt, er sei ein garstiger Mensch.“
„Nicht schlecht; aber unbedeutend.“
„Das ist nicht wahr! Und Ihr dürft fortan nicht mehr so über ihn denken;“ sagte Kity, „ich selbst hegte nur eine sehr geringe Meinung von ihm, aber er ist ein äußerst lieber und wunderbar gutmütiger Mensch. Sein Herz ist — wie Gold.“ —
„Wie habt Ihr denn sein Herz erkennen können?“