„So wollen wir also überlegen. Jetzt können wir die Einsegnung und die öffentliche Anzeige vornehmen.“

Die Fürstin trat zu ihrem Gatten, küßte ihn und wollte gehen, er aber hielt sie zurück, umfing sie, und küßte sie mehrmals zärtlich und lächelnd wie ein jugendlich Verliebter. Die beiden Alten gerieten offenbar einen Augenblick in Verwirrung und wußten nicht recht, ob sie wieder ineinander verliebt waren, oder ob nur ihre Tochter liebte. Als der Fürst und die Fürstin gegangen waren, trat Lewin zu seiner Braut, und ergriff sie bei der Hand. Er hatte jetzt seine Selbstbeherrschung wiedergefunden und konnte nun sprechen; er hatte ihr soviel zu sagen. Aber doch sagte er durchaus nicht das, was er hätte sagen sollen.

„Wie hätte ich ahnen können, daß es doch noch in Erfüllung gehen würde! Nimmermehr habe ich dies gehofft, aber in meiner Seele war ich stets davon überzeugt,“ sprach er, „und ich glaube, daß dies schon vorher bestimmt gewesen ist.“

„Und ich?“ versetzte sie, „selbst damals“ — sie stockte, fuhr aber dann fort, ihn mit ihren treuen Augen fest anblickend, „selbst damals, als ich mein Glück von mir wies, habe ich stets Euch allein geliebt, doch ich war verleitet. Ich muß es aussprechen — — könnt Ihr vergessen?“

„Vielleicht ist es zum Glück gewesen. Ihr müßt mir viel vergeben. Ich muß Euch gestehen“ — er wollte das Eine von dem mitteilen, was er ihr mitzuteilen beschlossen hatte, und er hatte beschlossen, ihr von dem ersten Tage ab zweierlei mitzuteilen, das Eine, daß er nicht mehr so rein sei, wie sie; das Andere, daß er keinen Glauben habe. Es war dies peinlich, aber er hielt sich für verpflichtet, ihr dies und das andere zu sagen. „Doch nein; nicht jetzt, später!“ sagte er.

„Gut; also später; aber Ihr werdet es mir sicher sagen. Ich fürchte nichts. Ich muß alles wissen. Jetzt ist alles gut!“

„Gut geworden ist das, daß Ihr mich nehmt, wie ich auch sein mag, daß Ihr mich nicht von Euch weist; nicht wahr?“ ergänzte er.

„Jawohl!“ —

Das Gespräch wurde durch den Eintritt der Mademoiselle Linon unterbrochen, welche, obwohl verschmitzt, so doch zärtlich lächelnd kam, ihren geliebten Zögling zu beglückwünschen. Sie war noch nicht wieder hinaus, da kam schon die Dienerschaft zur Beglückwünschung. Dann erschienen die Verwandten und nun begann jener selige Taumel, aus dem Lewin nun bis zum nächsten Tage nach seiner Hochzeit nicht mehr herauskam. Ihm selbst war es dabei beständig unbehaglich, langweilig zu Mut, allein die Aufregung über sein Glück wuchs mehr und mehr. Er fühlte beständig, daß von ihm jetzt vieles gefordert würde, was er noch nicht kenne — er that alles, was man ihm sagte und dies alles verusachte ihm ein Gefühl des Glückes.

Er glaubte, daß sein Brautstand nichts Ähnliches mit demjenigen anderer haben würde, und die demselben sonst eigenen Umstände sein ganz besonderes Glück stören möchten; aber es kam so, daß er eben nur das Nämliche that, was alle anderen thun, und sein Glück wurde dadurch nur erhöht und gestaltete sich mehr und mehr zu einem ganz besonderen, das nichts Ähnliches je gehabt haben oder noch haben mochte.