„Mein Gott, muß ich denn aber selbst ihm dies sagen?“ dachte sie, „soll ich ihm sagen, daß ich ihn nicht liebe? Das wäre ja eine Unwahrheit. Was soll ich also nun sagen? Etwa, daß ich einen anderen liebte? Das ist unmöglich. Ich werde fliehen, forteilen!“
Sie war bereits bis zur Thür gelangt, als sie seine Schritte vernahm.
„Nein, das ist nicht ehrenhaft; was habe ich zu fürchten? Ich habe nichts Schlechtes gethan! Was sein soll, muß sein! Ich will die Wahrheit sagen, mit ihm kann ich nicht falsch verfahren. Da ist er!“ sprach sie zu sich selbst, seine kraftvolle Gestalt mit den blitzend auf sie gerichteten Augen zaghaft eintreten sehend. Sie blickte ihm offen ins Antlitz, als wolle sie ihn um Schonung bitten, und reichte ihm ihre Hand.
„Ich komme nicht zur rechten Zeit, wie mir scheint, ein wenig zu früh,“ hub er an, im leeren Salon Umschau haltend. Als er gewahrte, daß seine Hoffnungen sich erfüllt hatten, daß nichts ihn hindere, sich auszusprechen, wurden seine Mienen düster.
„O nein,“ antwortete Kity, an einem Tische Platz nehmend.
„Ich wollte eben, daß ich Euch allein anträfe,“ begann er, ohne sich zu setzen und ihren Blick vermeidend, um seine Fassung nicht zu verlieren.
„Mama wird sogleich erscheinen. Sie war gestern sehr ermüdet, gestern — “ Sie sprach, ohne recht zu wissen, was ihre Lippen hervorbrachten, und ohne den beschwörenden und bittenden Blick von ihm zu wenden.
Er schaute sie an; sie errötete und verstummte.
„Ich sagte Euch schon, daß ich selbst nicht wisse, ob ich für längere Zeit hierher gekommen wäre — daß dies von Euch abhängt“ —
Sie neigte das Haupt tiefer und tiefer, ohne zu wissen, was sie auf das Kommende zu antworten haben würde.