„Aber um Gottes willen, Fürst, was habe ich gethan,“ antwortete die Fürstin, fast weinend.
Sie war so glücklich und zufrieden nach dem Gespräch mit ihrer Tochter gewesen, war jetzt nach ihrer Gewohnheit zum Fürsten gekommen, um diesem gute Nacht zu wünschen und hatte, ohne die Absicht ihm von Lewins Antrag zu erzählen oder von Kitys Absage, ihrem Gatten nur angedeutet, daß ihr die Angelegenheit mit Wronskiy völlig sicher zu stehen scheine, daß sich dieselbe entscheiden werde, sobald dessen Mutter angekommen sein würde — da, bei diesen Worten, war der Fürst plötzlich aufgefahren und hatte ihr die härtesten Worte zugerufen.
„Was Ihr gethan habt? Ihr sollt es wissen: Erstens lockt Ihr einen Bräutigam an, ganz Moskau wird davon reden, und mit Recht. Wenn Ihr Abendcirkel haltet, so ladet jedermann ein, nicht aber nur die heiratslustigen jungen Männer. Ladet dann alle jungen Leute in Moskau ein und laßt sie tanzen, aber nicht nur, wie heute, die Bräutigams die Ihr mit unserer Tochter zusammenbringt. Das zu sehen, ist entehrend für mich und Ihr habt es so weit gebracht, dem Kinde den Kopf zu verdrehen. Lewin ist ein tausendmal besserer Mensch! Jener Petersburger Fant hingegen ist einer wie in der Maschine gemacht; diese Leute sind alle nach einem Schlag, sind alle Nichts. Wäre er selbst ein Prinz von Geblüt, meine Tochter braucht niemanden!“
„Aber was habe ich gethan?“
„Nun,“ rief der Fürst ingrimmig.
„Ich erkenne das Eine, daß, wenn es nach dir geht,“ unterbrach ihn die Fürstin, „wir niemals unsere Tochter verheiraten werden. Wenn dem so ist, dann können wir nur auf das Dorf gehen.“
„Es wäre auch besser so.“
„Halt ein. Suche ich denn nach jemand? Durchaus nicht! Ein junger Mann von angenehmen Wesen hat sich in sie verliebt, und sie, scheint es —“
„Ah, da scheint Euch etwas! Wie denn nun, wenn sie sich thatsächlich verliebt hat, er aber ebensowenig gewillt wäre, sie zu heiraten, wie ich es etwa bin? O, der Spiritualismus, o, das Nizza, ach, der Ball,“ — der Fürst, sich stellend, als ahme er sein Weib nach, knixte mit jedem dieser Worte. „Dies ist der Weg, auf dem wir die Katinka unglücklich machen, auf dem sie sich in der That etwas in den Kopf setzen kann.“