„Ich denke mir Euch auf dem Ball in Lila.“
„Weshalb gerade in Lila?“ lächelte Anna. „Kinder geht jetzt, geht! Hört ihr? Miß Goul ruft euch zum Thee,“ fuhr sie fort, die Kinder von sich losmachend und sie nach dem Speisesalon dirigierend. „Ich weiß übrigens, weshalb Ihr mich zu der Teilnahme am Balle einladet. Ihr versprecht Euch viel von demselben und wünscht, daß jedermann dort und Teilhaber dabei sein möchte.“
„Woher wißt Ihr das? Allerdings.“
„O, wie schön ist doch Euer Alter,“ fuhr Anna fort, „ich entsinne mich noch jenes blauen Nebels, ähnlich dem, der sich über die Berge der Schweiz lagert, jenes Nebels, der alles in dieser glückseligen Zeit überdeckt, da die Kindheit für uns aufgehört hat und aus ihrem grenzenlosen Kreise des Glückes und der Lust ein Weg, enger und enger werdend, in Heiterkeit und Scherz in diese Enfilade hineinführt, obwohl er hell und angenehm erscheint. Wer hätte diesen Weg nicht durchschritten?
Kity lächelte schweigend, „sie hat ihn gewiß zurückgelegt, was gäbe ich nicht darum, könnte ich ihren ganzen Roman in Erfahrung bringen,“ dachte sie und vergegenwärtigte sich dabei das unpoetische Äußere Aleksey Aleksandrowitschs, ihres Gatten.
„Ich bin schon in einigem unterrichtet, Stefan erzählte mir davon; ich gratuliere; er gefällt mir sehr,“ fuhr Anna fort, „ich traf mit Wronskiy auf der Eisenbahn zusammen.“
„Ah; er war dort?“ frug Kity errötend, „was hat Euch Stefan erzählt?“
„Er hat mit mir nur leichthin geplaudert; ich wäre sehr froh gewesen — Gestern bin ich mit der Mutter Wronskiys hierher gereist,“ fuhr sie fort, „und diese hat mir in einem fort von ihm erzählt, er ist ihr Liebling. Ich weiß, wie leidenschaftlich Mütter für ihre Kinder eingenommen sein können, aber“ —
„Was hat Euch denn seine Mutter erzählt?“
„O, viel! Ich weiß wohl, daß er ihr Liebling ist, aber es ist trotzdem auch sichtbar, daß er auch der vollendete Kavalier ist. Nun, zum Beispiel hat sie mir erzählt, daß er sein ganzes Besitztum seinem Bruder überlassen wollte, daß er bereits in seiner Jugend eine ungewöhnliche That vollbracht habe, indem er ein Weib aus dem Wasser errettete. Mit einem Worte, er ist ein Heros,“ sagte Anna lächelnd, und sich dabei der zweihundert Rubel erinnernd, die er auf der Station geschenkt hatte.