33.
Wronskiy empfand zum erstenmale ein Gefühl des Verdrusses, fast des Zornes über Anna, wegen ihres absichtlichen Mißverstehens ihrer Situation. Dieses Gefühl verstärkte sich noch dadurch, daß er ihr die Ursache seines Verdrusses nicht aussprechen konnte. Hätte er ihr offen mitgeteilt, was er dachte, dann hätte er ihr gesagt: „In dieser Toilette sich mit der jedermann bekannten, unverheirateten Fürstin im Theater zu zeigen — hieß nicht nur die Lage eines gefallenen Weibes selbst eingestehen, sondern auch, der Welt eine Herausforderung zuschleudern, oder, mit anderen Worten, sich für immer von dieser lossagen.“
Dies konnte er ihr nicht sagen. „Aber wie kann sie es nicht verstehen, und was geht in ihr vor?“ sagte er zu sich. Er fühlte, wie sich zu ein und derselben Zeit seine Achtung vor ihr verminderte, während die Erkenntnis ihrer Schönheit in ihm wuchs.
Finster kehrte er nach seinem Zimmer zurück und befahl, sich zu Jaschwin setzend, welcher seine langen Beine auf einen Stuhl gestreckt hatte und einen Cognac mit Selterwasser trank, ihm das Nämliche zu bringen.
„Du sagst, der Moguschtschij Lankowskiys. Das ist ein gutes Pferd, ich rate dir, es zu kaufen,“ sagte Jaschwin, das finstere Gesicht des Kameraden musternd. „Er hat zwar ein Hängekreuz — aber seine Füße und der Kopf — etwas besseres kann man nicht verlangen!“
„Ich denke, daß ich ihn kaufen werde,“ antwortete Wronskiy.
Das Gespräch über die Pferde beschäftigte ihn zwar, aber er vergaß nicht eine Minute Annas, unwillkürlich dem Klange der Schritte auf dem Korridor lauschend, und nach der Uhr auf dem Kamin blickend.
„Anna Arkadjewna hat befohlen zu melden, daß sie ins Theater gefahren ist.“
Jaschwin stürzte noch ein Glas Cognac mit Sodawasser hinunter, stand auf und knöpfte sich zu.