„Nein; aber er ist so daran gewöhnt, ein einsames Geistesleben zu führen, daß er sich mit der Wirklichkeit nicht vertragen kann, und Warenka ist doch immerhin eine Wirklichkeit.“

Lewin war jetzt schon gewohnt, seine Gedanken frei auszusprechen, ohne sich zu bemühen, dieselben dabei in präcise Worte zu kleiden, er wußte, daß sein Weib in den Minuten der Liebe, sowie auch jetzt schon aus der Andeutung verstehen würde, was er sagen wollte, und Kity verstand ihn auch.

„Ja; aber in ihr ist doch nicht diese Wirklichkeit, wie in mir; ich verstehe; daß er mich wohl niemals hätte liebgewinnen können; sie hingegen ist ganz Gemüt.“

„O nein; er liebt dich sehr, und mir ist es stets so angenehm, wenn die Meinigen dich lieb haben.“

„Ja; er ist gut gegen mich, aber“ —

„— nicht so, wie mit dem verstorbenen Nikolay; ihr habt einander liebgewonnen,“ vollendete Lewin. „Weshalb sollte ich das nicht sagen?“ fügte er hinzu, „ich mache mir manchmal Vorwürfe, und das hört erst damit auf, daß man vergißt. O, welch ein furchterweckender, und doch reizvoller Mensch war er! Doch wovon sprachen wir?“ sagte Lewin, nachdem er eine Weile geschwiegen hatte.

„Du denkst, daß er nicht zu lieben vermag,“ sagte Kity, in ihre Sprache übersetzend.

„Nicht, daß er nicht lieben könnte,“ antwortete Lewin lächelnd, „aber er besitzt nicht die Schwäche, die dazu nötig ist — ich habe ihn stets beneidet und selbst jetzt, wo ich doch so glücklich bin, beneide ich ihn noch darum.“

„Du beneidest ihn, weil er nicht lieben kann?“

„Ich beneide ihn darum, daß er besser ist, als ich,“ antwortete Lewin lächelnd. „Er lebt nicht für sich; sein ganzes Leben ist der Pflicht geweiht, und infolge dessen kann er ruhig und zufrieden sein.“