„Siehst du nun?“

„Wie Ihr befehlt,“ sagte der Zimmermann, plötzlich mit den Augen hell aufblickend und endlich offenbar die Sache begreifend. „Es ist klar, es muß eine neue Treppe gezimmert werden.“

„Nun also, thue nun, wie dir geheißen ist,“ rief Lewin und setzte sich wieder in den Wagen. „Fahr zu! — Halt die Hunde, Philipp!“

Lewin empfand jetzt, nachdem er alle Sorgen des Hauses und der Wirtschaft hinter sich gelassen hatte, ein so mächtiges Gefühl von Lebensfreude und Erwartung, daß er keine Lust verspürte, zu sprechen. Er hatte auch das Gefühl der konzentrierten Aufregung, welche jeder Jäger verspürt, wenn er sich seinem Revier nähert. Wenn ihn jetzt überhaupt etwas beschäftigte, so waren es nur die Fragen, ob man im Kolpenskischen Moor etwas finden werde, wie sich Laska im Vergleich zu Krak zeigen, und wie ihm selbst heute das Jagdglück lächeln würde.

Daß man sich vor einem fremden Jäger keine Blöße gab; daß Oblonskiy ihn nicht überschießen möchte, auch dies kam ihm in den Kopf.

Oblonskiy hatte ein ganz ähnliches Gefühl, und war gleichfalls wortkarg. Nur Wasjenka Wjeslowskij schwatzte lustig und unaufhörlich weiter.

Als Lewin ihn jetzt hörte, fühlte er sich beschämt, wenn er daran dachte, wie ungerecht er gestern gegen ihn gewesen sei.

Wasjenka war in der That ein vorzüglicher, naiver, gutmütiger und sehr heiterer Mensch. Wäre Lewin noch unverheiratet mit ihm zusammengekommen, so würde er sich ihm genähert haben. Nur war ihm ein wenig unangenehmer seine müßige Stellung zum Leben, und eine gewisse Ungezwungenheit bei aller Eleganz. Er schien sich gewissermaßen selbst eine hohe unzweifelhafte Bedeutung beizumessen, daß er lange Nägel und eine kleine Mütze trug und alles übrige dementsprechend, doch konnte man dies bei seiner Gutherzigkeit und Solidität entschuldigen. Er gefiel Lewin wegen seiner guten Erziehung, einer ausgezeichneten Aussprache des Französischen und Englischen, und dann deshalb, weil er ein Mensch seiner eignen Welt war.

Wasjenka gefiel das donische Steppenpferd am linken Strang außerordentlich. Er war fortwährend exaltiert davon, „wie schön muß es sich auf einem Steppenpferd durch die Steppe jagen lassen! Ha? Nicht so?“ sprach er. Er stellte sich in dem Ritt auf einem Steppenroß etwas wundersames poetisches vor, woraus sich zwar nichts ergab, aber seine Naivetät, besonders im Verein mit seiner Schönheit, seinem freundlichen Lächeln und der Grazie seiner Bewegungen war sehr anziehend. Kam es nun davon her, daß seine Natur Lewin sympathisch war, oder davon, daß Lewin sich bemühte, zur Sühne für seinen gestrigen Fehltritt alles an ihm gut zu finden, genug, Lewin fühlte sich angenehm von ihm berührt.