„Messieurs, venez vite!“ wurde die Stimme Wjeslowskijs vernehmbar, der zurückkam. „Charmante! Das habe ich entdeckt. Charmante, ein vollständiges Gretchen, und ich bin schon mit ihr bekannt geworden! Wahrhaftig reizend!“ — erzählte er mit so billigendem Gesichtsausdruck, als sei sie eigens für ihn selbst so hübsch geschaffen worden, und als sei er zufrieden mit demjenigen, der dies für ihn arrangiert hatte.
Lewin stellte sich schlafend; Oblonskiy, die Pantoffeln anziehend und eine Cigarre ansteckend, verließ den Schuppen, und bald waren beider Stimmen verklungen.
Lewin konnte lange Zeit nicht einschlafen. Er lauschte, wie seine Pferde das Heu kauten, dann wie sein Wirt mit dem ältesten Sohne sich fertig machte und zur Nachtwache abging; dann hörte er, wie der Soldat sich mit einem Neffen, dem kleinen Sohne des Hausherrn, auf der andern Seite des Schuppens schlafen legte, wie der Knabe mit seinem dünnen Stimmchen dem Onkel seine Eindrücke über die Hunde mitteilte, die ihm furchtbar und ungeheuer erschienen, ferner, wie der Knabe frug, wen diese Hunde fangen wollten, und wie der Soldat mit heiserer und schläfriger Stimme ihm sagte, daß die Jäger morgen in den Sumpf wollten und aus ihren Flinten schießen würden, und wie er schließlich, um die Fragen des Knaben los zu sein, sagte: „Schlaf, Waska, schlaf, oder“ — Bald schnarchte er selbst, und alles war still geworden; nur das Wiehern der Pferde und das Schnarren einer Schnepfe war hörbar.
„Sollte es wirklich nur negativ sein?“ wiederholte er sich, „aber was; — ich bin doch nicht schuld daran.“ — Und er begann hierauf, sich den nächsten Tag zu überlegen. „Morgen will ich früh aufbrechen und werde mir vornehmen, nicht in Aufregung zu kommen. Bekassinen giebt es eine Unmenge. Und werde ich hierher heimkehren, so wird ein Brief von Kity da sein. Ja, Stefan, hast du denn recht? Ich bin nicht männlich gegen sie, ich bin verweichlicht. Aber was thun — es ist wieder etwas Negatives.“
In sein Träumen hinein vernahm er das Lachen und das heitere Geschwätz Wjeslowskijs und Stefan Arkadjewitschs. Für einen Augenblick öffnete er die Augen; der Mond war aufgegangen und durch die geöffnete Thür, hell von dem Mondlicht beleuchtet, sah er sie stehen und plaudern.
Stefan Arkadjewitsch hatte etwas über die Frische der Mädchen gesagt und sie mit einer eben von der Schale befreiten frischen Nuß verglichen, und Wjeslowskij mit seinem ansteckenden Gelächter, wiederholte wahrscheinlich die ihm von dem Bauer gesagten Worte: „Mach dich soviel als möglich an dein Mädchen heran!“
Lewin murmelte im Schlafe:
„Ihr Herren, morgen mit Tagesanbruch!“ und entschlummerte.
12.
Als Lewin mit dem frühen Morgenrot erwacht war, versuchte er es, die Gefährten zu wecken. Wasjenka, auf dem Bauche liegend und den einen Fuß noch mit dem Strumpfe von sich streckend, schlief so fest, daß keine Antwort von ihm zu erhalten war.