Anna blickte in Dollys hageres, übermüdetes Gesicht mit den Runzeln, die vom Staube bedeckt waren; sie wollte sagen, was sie dachte, nämlich daß Dolly recht abgemagert sei, aber indem sie sich vergegenwärtigte, daß sie schöner geworden, und der Blick Dollys ihr dies sagte, seufzte sie, und begann, von sich zu sprechen.

„Du blickst mich an,“ sagte sie, „und denkst, kann sie glücklich sein in ihrer Lage. Nun, was soll ich sagen! Es ist schmachvoll, es einzugestehen; aber ich — ich bin unverzeihlich glücklich! — Mir ist etwas Zauberhaftes, Etwas wie ein Traum vor sich gegangen, in dem es uns furchtbar, seltsam wird, aus dem man plötzlich erwacht, um zu fühlen, daß alle diese Schrecken gar nicht da sind. Ich bin erwacht. Ich habe Qualvolles, Furchtbares durchlebt, und es ist jetzt schon geraume Zeit, besonders seit wir hier sind, daß ich so glücklich bin,“ sprach sie mit schüchternem, fragendem Lächeln Dolly ins Auge sehend.

„Wie freue ich mich,“ sagte Dolly lächelnd, aber unwillkürlich kühler, als sie wollte. „Ich freue mich sehr über dich. Weshalb hast du mir nicht geschrieben?“

„Weshalb? Deshalb, weil ich es nicht wagte — du vergißt meine Lage.“

„Gegen mich? Gegen mich hast du es nicht gewagt? Wenn du wüßtest, wie ich — ich glaube“ —

Darja Aleksandrowna wollte ihre Gedanken vom heutigen Morgen aussprechen, aber aus irgend einem Grunde erschien ihr dies jetzt nicht am Platze.

„Doch davon später. Was ist das, alle diese Gebäude?“ frug sie, im Wunsche das Thema zu wechseln, auf die roten und grünen Dächer zeigend, welche hinter dem Grün lebender Akazienzäune sichtbar wurden. Es sah dies alles aus wie ein Städtchen.

Anna antwortete ihr nicht.

„Nein, nein; wie urteilst du über meine Lage, wie denkst du darüber; wie?“ frug sie.

„Ich vermute,“ wollte Darja Aleksandrowna beginnen, doch in diesem Augenblick sprengte Wasjenka Wjeslowskij, der die Stute in Galopp mit Rechtseinsatz gebracht hatte, schwerfällig in seinem kurzen Jaquet auf dem sämischen Leder des Damensattels auf und niedergeworfen, an ihnen vorüber.