Noch vor dem Aufstehen von der Tafel, als alles eben zu rauchen anfing, trat der Kammerdiener Wronskiys zu diesem heran mit einen Briefe auf der Präsentierschale.
„Aus Wosdwishenskoje per Expressen,“ meldete er mit bedeutungsvoller Miene.
„Wunderbar, wie ähnlich er unserem Kameraden, dem Prokurator Swentizkiy sieht,“ sagte einer der Gäste auf französisch, den Kammerdiener meinend, während Wronskiy, sich verfinsternd, das Schreiben las.
Der Brief war von Anna; schon bevor er ihn gelesen hatte, kannte er seinen Inhalt. In der Annahme, daß die Wahlen in fünf Tagen vorüber sein würden, hatte er versprochen, Freitag zurückkehren zu wollen. Heute war Sonnabend, und er wußte, daß der Inhalt des Briefes aus Vorwürfen bestehen würde, weil er nicht rechtzeitig zurückgekehrt sei. Der Brief, welchen er gestern Abend abgeschickt hatte, war wahrscheinlich noch nicht angekommen.
Der Inhalt des Briefes war der erwartete, aber seine Form eine unerwartete und ihm höchst unangenehme.
„Any ist sehr krank; der Arzt sagt, es könne eine Entzündung eintreten. Ich verliere in meiner Einsamkeit den Kopf. Die Fürstin Barbara ist keine Hilfe, sondern ein Hindernis. Ich erwartete dich vorgestern, gestern, und schicke jetzt, um zu erfahren, wo du eigentlich bist und was du machst. Ich wollte selbst fahren, habe aber davon abgesehen, da ich wußte, daß dir dies unangenehm gewesen sein würde. Gieb mir Antwort, damit ich weiß, was ich anfangen soll.“
„Das Kind ist krank und sie hat selbst reisen wollen! — Unsere Tochter ist krank und dieser feindselige Ton!“ —
Diese harmlose Zerstreuung bei den Wahlen und jene düstere, lastende Liebe, zu welcher er zurückkehren mußte, trafen Wronskiy durch ihren Gegensatz. Aber man mußte abreisen und er fuhr mit dem ersten Zuge in der Nacht nach Hause.